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Vernissage-Webinar

 Syrien

17.11. 18h

Special Guest: Frizzi Krella

 

 Zu Gast bei der ViLE-Seniorenorganisation

Moderation: Dr. Markus Marquard (ZAWiW /Uni Ulm)

Es präsentiert Paul Kroker (KUNO)

 

                                               Kenncode:4f.QmRP0

 

"Während die Welt anfangs noch erstaunt die Kreativität und den scheinbar grenzenlosen Mut syrischer Künstler bewunderte, ist heute kein Platz mehr für farbenfrohe Geschichten über zivilen Widerstand und die Rolle der Kunst im Aufstand gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Das würde westlichen Vorurteilen und Stereotypen entgegenlaufen.

Denn auch wenn es nicht immer offen ausgesprochen wird, überwiegt doch insgeheim die Vorstellung: Jegliche Volksbewegung im Nahen Osten wird am Ende scheitern, da die Menschen noch nicht „reif“ zur Demokratie seien und die anfangs noch demokratischen Aufstände am Ende von fanatischen und religiösen Extremisten zweckentfremdet würden", so noch 2017 Christin Lüttich über die Kunst des Widerstands in Syrien, die damals genau jenes kreative Potenzial syrischer Kunst untersucht und es entdeckt im Lachen, in kreativen Protestaktionen, im "Humor gegen den Tod":  http://archiv.faustkultur.de/3084-0-Luettich-Humor-gegen-den-Tod.html#.Y00xbXbP1EY.

 

Ein Grund dafür, die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien nicht mehr wirklich im Blick zu haben, wenn auch nicht der aktuell einzige, ist die Verlagerung der weltweiten Aufmerksamkeit auf die kriegerische Eskalation Russlands gegen die widerständige Ukraine. Ja, dieses Merkmal des nationalen Zusammenhalts gegen die verstärkte Aggression von  Putin, dessen Truppen auch in Syrien ihr Unwesen trieben (oder noch treiben?), scheint in der verzerrten Kriegssituation dieses Landes gar nicht zu existieren: Wer kämpft hier gegen wen und wofür? Und: wo kommt diese gemarterte und vielfach zergliederte Bevölkerung noch vor und nicht ausschließlich als Objekt in einem Stellvertreterkrieg sowie repressiver Partikularinteressen? Vielleicht in den nordsyrischen Gebieten, wo vor allem kurdische Frauen gegen den IS und für ihr Leben und ihre Zukunft kämpfen (s.u. Beitrag von Deutschlandfunk Kultur).

Aber es ist ja durchaus auch so: "Die Menschen in Syrien sind heute von über zehn Jahren Krieg ausgezehrt. Ihre jüngste Geschichte ist geprägt von Tod und Zerstörung. Diese Erfahrungen haben sich tief in das kulturelle Gedächtnis Syriens eingeschrieben. Dass unter diesen Bedingungen überhaupt Kunst entstehen kann, grenzt an ein Wunder", wie Frizzi Krella schreibt anlässlich der Eröffnungsausstellung im Haus der syrischen Kunst (Bremen) im September dieses Jahres.

 

Uns von Kultur im Norden - KUNO interessiert genau dieses "Wunder", die ethisch-ästhetische Dimension der Künste und ihrer Macher*innen in ihrem Leben und in unserer Zeit. Und das wollen wir in nachhaltiger Weise zeigen.

Dabei helfen uns eindrucksvolle Dokumentationen wie die des mutigen Pianisten Aeham Ahmad in den Trümmern von Jarmuk (Damaskus), seine Geschichte als palästinensischer Flüchtling in Syrien und später dann in Deutschland mit seinen Worten "Meine Heimat ist das Klavier".

Vielleicht können uns dabei helfen die Fragen der Kölner Initiative Syrien, Kunst und Flucht: "Wie verarbeiten syrische Künstler_Innen den Krieg in ihrer Heimat? Wie beeinflussen Zerstörung, Gewalt, Tod, Vertreibung und Flucht die Kunst?" (s.u.)

Vielleicht aber auch bietet Chawkat Takla, der mit seiner Frau die gleichnamige Stiftung für syrische Kunst in Bremen ins Leben rief, eine erste wichtige Orientierungshilfe hier im Gespräch mit dem Magazin "Weltkunst":

 

"Das wichtigste Jahr für die Gegenwartskunst in Syrien war 2008, das Jahr in dem Damaskus arabische Kulturhauptstadt war. Aus diesem Anlass fanden gleich vier große Ausstellungen statt, die eine umfassende Bestandsaufnahme der zeitgenössischen syrischen Kunst darstellten. Für besondere Furore sorgte dabei die Ausstellung Die neue Generation, in der nicht nur die klassischen Kunstformen wie Malerei und Bildhauerei vertreten waren, sondern auch Videokunst und Performances. Auf der Ausstellung waren rund 40 Künstler vertreten, alle nach 1960 geboren. Bemerkenswert war damals auch der Ausstellungsort, eine frühere Textilfabrik mit einer riesigen Ausstellungsfläche von 6000 qm, die später in ein Museum umgewandelt wurde. Das alles endete schlagartig mit dem Beginn des Krieges 2011."( https://www.weltkunst.de/kunstwissen/2021/01/chawkat-takla-stiftung-syrien-zeitgenoessische-kunst )

 

Mit der großen Migrationswelle in den Jahren 2015/16 konnten wir im deutschsprachigen Raum auch eine gesteigerte Aufmerksamkeit und Anteilnahme der Öffentlichkeit für Kunst und Kultur aus Syrien registrieren nicht zuletzt ihre große Empörung und tiefe Trauer anlässlich der Zerstörung unersetzbarer Kulturstätten. Umso wichtiger dann die Vielzahl von Initiativen der Solidarität mit  syrischen Künstler*innen und zur Unterstützung ihrer kreativen Tätigkeit.

 

 

Oktober 2022                                                                                        Paul Kroker

Ausstellungskatalog
Ausstellungskatalog

Werke von Nizar Sabour

 

"Die Takla Stiftung aus Bremen ist zu Gast in der Guardini Stiftung. Sie zeigt mit der Ausstellung Sans frontières. Malerei von Manhal Issa und Nizar Sabour zum ersten Mal das Werk zweier bedeutender syrischer Künstler in Berlin.

Zwei Maler. Zwei Menschenleben. Der eine stammt aus Latakia, der andere aus Tartous, beides Städte in Syrien. Nizar Sabour und Manhal Issa begegneten sich 1995 an der Kunstakademie in Damaskus. Damals nahm der Jüngere, Issa, bei Sabour sein Studium der Malerei auf, bevor er im Jahr 2000 nach Paris ging, vielleicht für immer...

Der eine malt heute im Okzident, der andere weiter im Orient. Aber gemeinsam ist ihnen der höchste Anspruch an sich selbst, der gleichsam an die eigene Existenz geknüpft wird. Es ist eine Suche nach dem Woher und dem Wohin..." (Frizzi Krella, Kuratorin der Ausstellung)

 

Werke von Manhal Issa

 

Tammam Azzam

 

 

 

 

 

 

 

 

Tammam Azzam

(*1980, Damaskus)

 

 

aus Syrisches Museum:

Presse- Text Tamman Azzam KVA 2022.pdf
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Arbeitsbiografie Tammam Azzam KVA 2022-1
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Aeham Ahmad

 

"Der palästinensisch-syrische Flüchtling und Pianist spielte während des Bürgerkriegs in Syrien trotz der lebensbedrohlichen Situation unter dem IS-Regime Klavier im umkämpften Palästinenserlager Yarmouk bei Damaskus. Als „Pianist aus den Trümmern“ protestierte er gegen die Gewalt, Zerstörung und den Hunger und gab den Menschen mit seiner Musik ein Gemeinschaftsgefühl und Hoffnung.

Nachdem IS-Dschihadisten im Frühling 2015 aufgrund eines verhängten Verbots von Musik vor seinen Augen sein Klavier anzündeten, war Aeham Ahmad in großer Lebensgefahr und musste seine Familie zurücklassen und fliehen. Er schlug sich über Land zur türkischen Küste durch, von dort mit einem Schlauchboot auf eine kleine griechische Insel und weiter über die Balkanroute, durch Serbien, Kroatien, Österreich, bis er schließlich im September 2015 in Deutschland ankam.

Seinen ersten Auftritt hatte Aeham Ahmad bereits im Oktober 2015 bei einem Konzert für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in München. Seither folgten mehr als 200 Konzerte zugunsten der Flüchtlingshilfe und andere Benefizkonzerte. Eine klassische Karriere als Konzertpianist bleibt ihm jedoch verwehrt, da ein Granatsplitter während des Krieges seine rechte Hand verletzte. Im Dezember 2015 wurde Aeham Ahmad der Internationale Beethovenpreis für Menschenrechte verliehen."

 

"Wie verarbeiten syrische Künstler_Innen den Krieg in Ihrer Heimat?

Wie beeinflussen Zerstörung, Gewalt, Tod, Vertreibung und Flucht die Kunst?

Seit nunmehr 2011 herrscht in Syrien ein Bürgerkrieg, der viele Menschen dazu zwang, das Land zu verlassen. Die Geschehnisse und Begegnungen in ihrem Heimatland und auf der Flucht prägen die Geflüchteten und hinterlassen Spuren in jeder/jedem Einzelnen. Die Kunst kann helfen, diese Geschehnisse zu verarbeiten. Zahlreiche Künstler und Künstlerinnen aus Syrien nutzen auch hier in Europa das Medium der Kunst, um sich auszudrücken.

Das von Jabbar Abdullah im Mai 2016 initiierte Ausstellungsprojekt „Syrien, Kunst und Flucht“ möchte genau jene entstandene Kunst und die Gedanken und Erfahrungen der syrischen Künstler_innen in der Öffentlichkeit präsentieren."

 

Hier Bilder der Künstlerinnen

Razan Sabbagh (geb.Damaskus, jetzt Hamburg),

Houssam Alloum (*1989 Daraa),

Jankiman (jetzt Köln) 

 

Naser Nassan Agha

 

 

Video 2021

 

 

Einzelausstellung, Bremerhaven 2021

 

 

Online-Ausstellung 2016

.Unter einem Dach, Haus der syrischen Kunst, Bremen 2022

„Unter einem Dach“ - Eröffnungsausstellung der TAKLA STIFTUNG im HAUS DER SYRISCHEN KUNST in Bremen
XPM_2022-08-24 HAUS DER SYRISCHEN KUNST_
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Mehr als ein Katalog zur aktuellen Ausstellung Unter einem Dach im Haus der syrischen Kunst in Bremen:  

Die kunsthistorische Aufarbeitung der letzten siebzig Jahre Kunst in und aus Syrien von Talal Moualla im Auftrag der Takla Stiftung: Kunst aus Syrien - Vom Aufbruch in den 1950ern bis in die Gegenwart, 215 S., 2021.


 

 

 

 

 

LARISSA BENDER

Innenansichten aus Syrien

 

Ein Reader mit Texten, Fotografien und Bildern von Sadik J. Al-Azm, Mohammad Al Attar, Mamdoh Azzam, Tammam Azzam, Fawwaz Haddad, Ziad Homsi, Omar Kaddour, Khaled Khalifa, Monzer Masri, Dima Wannous, Rosa Yassin Hassan, Samar Yazbek u.v.a.

296 Seiten. Mit zahlreichen Abbildungen

Video verfügbar: bis 24.01.2023 ∙ 23:59
Video verfügbar: bis 24.01.2023 ∙ 23:59

 "Was ist Gerechtigkeit, wenn es um die Ermordung von Menschen geht?", fragt einer der Nebenkläger, selbst ein Folteropfer, vor dem Gericht. Diese Frage treibt auch Luna Watfa um. Luna lebt und arbeitet seit ihrer Flucht aus Syrien ausgerechnet in dem Ort, wo der Prozess stattfindet. Sie ist keine Zeugin, sondern dokumentiert das Prozessgeschehen für syrischen Online-Seiten und Nichtregierungsorganisationen.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/frauen-kurden-syrien-rojava-100.html
https://www.deutschlandfunkkultur.de/frauen-kurden-syrien-rojava-100.html

 

 

 

 

 

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