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minimal

 

 

Wie aus dem Nichts steht plötzlich ein Ton im Raum. Einer von insgesamt vier Tönen, aus denen sich ein ganzes Universum an Klängen und Schwebungen entwickeln wird. Der Raum ist mit intensivem Licht gefärbt und das Ensemble aus acht Trompeter*innen hat mit einer einzigartigen Zeremonie begonnen: Willkommen im „Dream House“ des legendären und geheimnisumwobenen Minimal-Music-Gurus La Monte Young.

Für eine gute Stunde taucht das Publikum ein in die Welt namens The Second Dream of The High-Tension Line Stepdown Transformer*. Der amerikanische Pionier der Minimal Music nennt die vier Töne, auf denen seine Komposition beruht, „Dream chord“. Dieser „Traumakkord“ geht auf eine frühe Kindheitserinnerung Youngs zurück: Es ist das Geräusch, das der Wind in den Stromkabeln machte, die entlang seines Elternhauses verliefen. Mit diesem Bild im Kopf gewinnt auch der lange Titel des Stücks plötzlich eine konkretere Bedeutung.

Die schier endlos klingenden Töne entfalten mit der Zeit ein Eigenleben, das einen schimmernden Reichtum an Klängen freisetzt. Es ist ein wahres Spektakel von Obertönen, das den ganzen Raum zum Leben erweckt und auf das die Musiker*innen dann wieder reagieren. Ein berauschendes Erlebnis, zu dem La Monte Youngs Frau, die Künstlerin Marian Zazeela, mit ihrem „Dream Light“ eine perfekte visuelle Ergänzung entworfen hat.

 

* Der volle Werktitel lautet ‚The Melodic Version (1984) of The Second Dream of The High-Tension Line Stepdown Transformer from The Four Dreams of China (1962)‘.

 

Das ganze Konzert

 

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