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Geleitwort 

 

Oscar de la Renta

 

 

Ikat-Stoffe sind eine besondere Art von Stoffen aus Seide und Baumwolle mit farbintensiven Mustern und ausdrucksstarken Zeichnungen, die sich oft an den Rändern aufzulösen und auch im einzelnen Ornament zu verschwimmen scheinen. Von einer ganzen Schar Kunsthandwerker*innen gefertigt, die ihr Können von Generation zu Generation weitergaben. Ikat-Stoffe und -Design werden von den Mode-Designern sehr wertgeschätzt und sind mit Beginn dieses Jahrtausends in den besten Kollektionen zu sehen. 

Oscar de la Renta ist einer der ersten, der sich schon 2005 dem Ikat zuwendet und auf dem Lauftsteg weltweit promotet. Eine Faszination, die bei einigen internationalen Modeschöpfer bis heute greift, wie Ralph Lauren mit seiner Frühjahrskollektion 2022 beweist.

 

 

"Ikat-Fieber" 

 

aus: LOLA SHAMUKHITDINOVA, TEXTILE TRADITIONEN AUS USBEKISTAN: IKAT ALS KULTURELLES UND ÖKONOMISCHES PHÄNOMEN, 2019

 

Ikat-Stoffe heute herstellen

 

Im Video von Ikatart.com wird die moderne Herstellung von Ikatstoffen anschaulich präsentiert. Im Mittelpunkt steht hier Rasuljon Mirzaahmedov, Weber aus einer  über Generationen gewachsenen Familientradition, der selbst schon Stoffe für das Label von Oscar de la Renta gefertigt hat.

 

Vom 19. bis zum 20. Jahrhundert spielten Seidenstoffe, besonders diejenigen mit Ikat Designs, eine äußerst wichtige Rolle im wirtschaftlichen, politischen, sozialen und privaten Leben der zentralasiatischen Gesellschaften. Eine Vielzahl von Bauern und Handwerkern mit verschiedenen Fachkenntnissen sowie Großhändlern wurde für die Produktion  und den Vertrieb dieser Stoffe und der Rohstoffe gebraucht.  

Das Textilgewerbe als Heimindustrie mit seiner langen Tradition war ein hervorragend entwickeltes und arbeitsteilig organisiertes Handwerk. Dabei gab es mehrere einzelne Textilberufe: Baumwollweber, Stoffdrucker, Färber, Seidenhaspler, Meister für die gleichmäßige Rad-Drehung,  Seidenspuler  für die gleichmäßige Spulung der Seide, Seidenzwirner, Ikat-Zeichner, Abbinde-Meister  und Seidenweber.

Die Zahl der verschiedenen Handwerksexperten in diesem Prozess  war also sehr groß: Dazu kamen noch Pflanzensammler, die natürliche Färbemittel produzierten, und Hersteller von großen Kesseln und Werkzeugen für den Prozess des Färbens sowie von Webstühlen, Spinnrädern, Spindeln, Spule-Haspeln, diversen Einzelteilen von Webstühlen und schließlich noch die Spezialisten für all die Arbeitsinstrumente.

 

vgl. Lola Shamukhitdinova, TEXTILE TRADITIONEN AUS USBEKISTAN IKAT ALS KULTURELLES UND ÖKONOMISCHES PHÄN OM EN, 2019

 

 

Ikat gestern und heute

 

 

Ikat-Mode aus Usbekistan

 

 

Moderne Ikat-Kunst: Dilyara Kaipova

 

 

Dank ihrer Arbeiten und der Gespräche mit Lola Shamukhitdinova kann in dieser Online-Ausstellung die einzige Künstlerin Usbekistans vorgestellt werden, die sich in ihrem Schaffen bewusst für Ikat-Stoffe und Design entschieden hat. Gut erkennbar, wie hier kulturelle Tradition und die zeitgenössische Kunst der Pop-Art sich verweben zu einem großen Panorama von Puschkins Konterfei, Munchs Schrei über Batman, Darth Vader, Micky Maus, den Aliens bis hin zu hochaktuellen Strahlenzeichen, die vor Radioaktivität warnen. Das alles in Baumwolle und handgefertigt in einer Werkstatt in Margilan im östlichen Usbekistan. Kaipova kann - wie wir es hier auch erleben - durchaus als gelungene Verkörperung von Kunst, Design und Mode betrachtet werden.

Ihre Werke befinden sich heute u.a. in Sammlungen des Staatlichen Seidenmuseums in Tiflis, der Nationalgalerie von Usbekistan, des MARKK Museum in Hamburg, des Stedelijk Museum in Amsterdam, des Royal Ontario Museum, RISD Museum in Rhode Island, Herbert F. Johnson Museum of Art der Cornell University, George Washington University Museum. 

 

Dilyara Kaipova (*1967, Taschkent), vertreten durch die

Aspan-Galerie: aspangallery.com/en/artists/Kaipova

 

Dilyara Kaipova, Mickey-Maus-Robe, 2020,

Entwurf für Ikat-Baumwollstoff, handgefertigt in Zusammenarbeit mit einer Werkstatt in Margilan, Usbekistan, 114,3 × 174 cm

Vertrieb: https://www.artsy.net/artist/dilyara-kaipova

 

Zum Stand der Forschung

 

 

Per Klick oben zum Blick ins Buch,

daraus hier unten eine Auswahl beliebter Ornamente 

 

 

Die unter Leitung von Lola Shamukhitdinova geschaffene Datenbank umfasst über 860 Einzelmotive und Kompositionen, was bei weitem nicht die gesamte Motivwelt der zentralasiatischen Ikat-Ornamentik umfasst. Besonders beliebt sind florale und kosmogonische Motive oder auch aus der Tierwelt, die oft auf eine spezifische Symbolik verweisen wie Schutz vor bösen Geistern, Liebe, Glück und Fruchtbarkeit. Die Gestaltung zeigt zudem häufig arabeskenhafte Metamorphosen. Davon hier ein kleiner Auszug aus dem obigen Band.

 

 

Über die Autorin 

Dipl. Ing. Dr. Shamukhitdinova ist Spezialistin im Bereich Kleidungstechnologie und Design und Urheberin einer multidisziplinären Studie mit dem Schwerpunkt einer Datenbankentwicklung von Ikatstoffen. Sie ist eine der Autorinnen von "Textiles as National Heritage: Identities, Politics and Material Culture" (2017, Waxmann). Die erste Ausgabe von IKATdna® in deutscher, englischer und russischer Sprache ist das Resultat jahrelanger Erforschung von Ornamenten zentralasiatischer Ikatstoffe. Für die Autorin, die in Usbekistan geboren wurde, ein Land, welches für die Ikatproduktion historisch gesehen berühmt ist, sind diese Stoffe nicht nur Objekt einer umfassenden Studie, sondern auch ein ihr wohlbekanntes Objekt täglicher Sachkultur seit ihrer Kindheit.

 

Eine Produktion KUNO22

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