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Nora Gomringer hören und lesen

 

"Immer öfter lässt sich Nora Gomringer die Gretchen-Frage stellen, sie antwortet in Essays, Reden, Geschichten und natürlich: in Gedichten.

Der vorliegende Gedichtband versammelt eine Auswahl der von Gomringer seither unternommenen Betrachtungen des Dies- und Jenseitigen."

So die Ankündigung des Verlags Voland&Quist. 

Per Klick aufs Foto zur knappen Selbstvorstellung im NDR.

 

 

Mehr über die Autorin auf ihrer Home per Klick

Die Ursendung von Günter Eichs Hörspiel "Träume" am 19. April 1951 begann um 20.50 Uhr, etwas später als gewöhnlich, "weil man die Kinder schon in den Betten wissen" wollte. Eine "mörderische Angelegenheit" sollte es laut "Spiegel"-Vorbericht werden, und tatsächlich schien es dies für manche zu sein. Der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg erhielt wütende Telefonanrufe und Beschwerdebriefe: "Wir haben da eben Ihr Hörspiel gehört, von dem Eich. Kann man den Mann nicht einsperren?"


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Träume (2. Traum durch 6. Traum ersetzt) - Hörspiel von Günter Eich - SWF 1955


 

Darf am 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus

von Luftkrieg und Vergeltung geredet werden ?

 

W. G. Sebald spricht von der deutschen Scham des Nachkriegs auch in der Literatur,  Scham wegen des eigenen Schmerzes und der erlittenen Opfer unter dem Bombenhagel, die, statt sich durch ein Eingeständnis aufzulösen, sich in selbstbetrügerische Verschwiegenheit flüchtet. Eine Haltung, die in der  öffentlichen Meinung immer noch anzutreffen ist. Man spricht von der Zerstörung  der Stadt Düren als der schwersten des ganzen Bombenkrieges über Deutschland, "einer zu Staub zermahlenen Stadt" (Ernest Hemingway), ohne zu bedenken, dass der Verantwortung für diese Vergeltung, diese offizielle "Revenge" der amerikanischen und britischen Befreier, nicht auch eine gewaltige moralische und ethische Dimension zukommt. 

 

 

Leseprobe per Klick


 

Eine Reise durch die junge Lyrik Europas – von Albanien bis Zypern. Herausgegeben von Büchner-Preisträger Jan Wagner und Federico Italiano


KUNOs WebLit stellt heute, am 1. Februar 2020, aus aktuellem Anlass die englische Lyrikerin Emily Berry (1981, London) vor. 2013 und 2017 hat sie bei Faber&Faber ihre ersten beiden Gedichtbände veröffentlicht; darüber hinaus ist sie als Herausgeberin der Poetry Review tätig.

Dear Boy übertrug aus dem Original Ron Winkler.

 

 

 

LITERATUR DER DDR

 

Weil die 30-Jahre-Gedenkfeiern zum 9. November noch nicht arg so lang her sind und überhaupt Autor*innen aus der DDR nicht wirklich zum Kernbestand des lesenden Publikums im neuen Deutschland gehören, wollen wir auf unseren Social Media das Beste der DDR-Literatur präsentieren. Das sind keine Riesenprojekte wie bei der NY Public Library. Wir probieren es sehr genügsam mit ansprechenden und anspruchsvollen Texten bzw. Textauszügen. Jede Woche ein/e neue/r Autor*in mit einem neuen Text. Zu finden hier und, wie wir festgestellt haben, auch bei Facebook: https://www.facebook.com/kunoweb und Tumblr: https://kunst-kultur.tumblr.com/.

Ein Versuch, immer eine Versuchung.

  

"Hommage an Anna Seghers", Paul Kroker (2015)

 

ANNA SEGHERS, Der Ausflug der toten Mädchen

 

 

Die 1943/44 entstandene Erzählung gehört zweifellos zu den schönsten

der Autorin, ist ein Text, an dem man "lesen lernen" kann (Christa Wolf).

Nach zehn Jahren Exil schrieb Anna Seghers diese Geschichte noch in

Mexiko: Die Emigrantin, die hier zum einzigen Mal ganz offen als "ich"

erscheint, ruht sich am Rande eines Dorfes in der Mittagshitze aus. Voller Heimweh erinnert sie sich plötzlich an ihre Kindheit: Dreißig Jahre zuvor hatte sie zu Hause, in Deutschland, in ihrer Heimatstadt Mainz, an einem Ausflug ihrer Mädchenklasse teilgenommen. Inzwischen, so weiß die Erzählerin, sind die meisten ihrer Schulkameradinnen durch die Nazis und ihren Krieg umgekommen. Dieses Wissen ist eine schreckliche Belastung für die Erzählerin, die sich zugleich die Erlebniswelt des Schulkindes anverwandelt und sehen muss, wie die Freundinnen als erwachsene Frauen standhielten oder schuldig wurden. Darüber berichtet die Erzählung in Form einer komplexen Verschachtelung der Zeit- und Erfahrungs-ebenen wie in folgendem Textauszug:

 

Ich lehnte mich gegen die Wand in den schmalen Schatten. Um Rettung genannt zu werden, dafür war die Zuflucht in diesem Land zu fragwürdig und zu ungewiß. Ich hatte Monate der Krankheit gerade hinter mir, die mich hier erreicht hatte, obwohl mir die mannigfachen Gefahren des Krieges nichts hatten anhaben können. (...)  Es gab nur noch eine einzige Unternehmung, die mich anspornen konnte: die Heimfahrt. (...)

Es schimmerte grün hinter der langen weißen Mauer. Wahrscheinlich gab es dort einen Brunnen oder einen abgeleiteten Bach, der das Rancho mehr bewässerte als das Dorf. Dabei sah es unbewohnt aus mit dem niedrigen Haus, das auf der Wegseite fensterlos war. (...) Das Gitterwerk war, längst überflüssig und morsch, aus dem Toreingang gebrochen. Doch gab es im Torbogen noch die Reste eines von unzähligen Regenzeiten verwaschenen Wappens. Die Reste des Wappens kamen mir bekannt vor, wie die steinernen Muschelhälften, in denen es ruhte. Ich trat in das leere Tor. Ich hörte jetzt inwendig zu meinem Erstaunen ein leichtes regelmäßiges Knarren. Ich ging noch einen Schritt weiter. Ich konnte das Grün im Garten jetzt riechen, das immer frischer und üppiger wurde, je länger ich hineinsah. Das Knarren wurde bald deutlicher und ich sah in dem Gebüsch, das immer dichter und saftiger wurde, ein gleichmäßiges Auf und Ab von einer Schaukel oder von einem Wippbrett. Jetzt war meine Neugier wach, so daß ich durch das Tor lief, auf die Schaukel zu. Im selben Augenblick rief jemand: “Netty!” Mit diesem Namen hatte mich seit der Schulzeit niemand mehr gerufen. (...)

Auf jedem Ende der Schaukel ritt ein Mädchen, meine zwei besten Schulfreundinnen. Leni stemmte sich kräftig mit ihren großen Füßen ab, die in eckigen Knopfschuhen steckten. Mir fiel ein, daß sie immer die Schuhe eines älteren Bruders erbte. (...) Ich wunderte mich zugleich, wieso man Lenis Gesicht gar keine Spur von den grimmigen Vorfällen anmerkte, die ihr Leben verdorben hatten. Ihr Gesicht war so glatt und blank wie ein frischer Apfel, und nicht der geringste Rest war darin, nicht die geringste Narbe von den Schlägen, die ihr die Gestapo bei der Verhaftung versetzt hatte, als sie sich weigerte, über ihren Mann auszusagen. (...)

Auf der anderen Schaukelseite hockte Marianne, das hübscheste Mädchen der Klasse, die hohen, dünnen Beine vor sich auf dem Brett verschränkt. Sie hatte die aschblonden Zöpfe in Kringeln über die Ohren gesteckt. In ihrem Gesicht, so edel und regelmäßig geschnitten wie die Gesichter der steinernen Mädchenfiguren aus dem Mittelalter im Dom von Marburg, war nichts zu sehen als Heiterkeit und Anmut. Man sah ihr ebensowenig wie einer Blume Zeichen von Herzlosigkeit an, von Verschulden oder Gewissenskälte. (...)

 

Mir kam jetzt alles unmöglich vor, was man mir über die beiden erzählt und geschrieben hatte. Wenn Marianne so vorsichtig die Schaukel für Leni festhielt und ihr mit soviel Freundschaft und soviel Behutsamkeit die Halme aus dem Haar zupfte und sogar ihren Arm um Lenis Hals schlang, dann konnte sie sich unmöglich mit kalten Worten später schroff weigern, Leni einen Freundschaftsdienst zu tun. (...) Doch Marianne weigerte sich und fügte hinzu, ihr eigener Mann sei hoher Nazibeamter, und Leni samt ihrem Mann seien zu Recht arretiert, weil sie sich gegen Hitler vergangen hätten. 

 

 

Eine Einführung in die Geschichte der DDR-Literatur mit mehr als dreißig Textauszügen und Texten von den Anfängen bis zum Untergang der DDR und der Wendezeit danach.

Diese Auswahl von zwei Dutzend DDR-Autor*innen hat nicht zuerst das Ziel, politische und gesellschaftliche Wirklichkeiten literarisch zu illustrieren, sondern möchte Beispiele aus Prosa, Lyrik und Dramatik präsentieren, die zum Kennenlernen und Weiterlesen von Büchern animieren, die auch im Westen bekannt waren und sind wie die von Christa Wolf oder Wolf Biermann. Oder eben vielleicht gar nicht oder zumindest viel weniger. Die es aber wert sind, weil sie vier Jahrzehnte realsozialistischer Diktatur und Widerständigkeit nicht dem Vergessen und Verdrängen überlassen dank Texten, „die ethisch und ästhetisch vielfach schon immer höchste Ansprüche erfüllten“. Wie der Text von Anna Sehers hier oben.

Interesse? Dann: https://www.kunoweb.de/2019/11/08/1989-2019/

  

 

Plaudernd chauffiert Hinze, der Fahrer, Kunze, den Funktionär, durch die realsozialistischen Lande. Aus ihren Gesprächen und Berichten erfährt der Leser viel – oft ironisch gebrochen – über die Verhältnisse im Land, über Leben und Liebe, Parolen und Kantinenessen. Und auch über die Kunst des Schreibens und vor allem über die des Vorschreibens wie im folgenden Textauszug.

Als der Autor "soweit", d.h. bis S.147 der gebundenen Suhrkamp-Ausgabe, den vorliegenden Text geschrieben hat, erzählt er – in bester Kenntnis eines bestimmten Kritikertyps – gleichsam vorwegnehmend dessen Stellungnahme zum fertigen Roman.

Frau Prof.Messerle, Wortführerin einer an Lukács geschulten Literaturkritik, verurteilt den Autor, dass er sich nicht an die "Strickvorlagen" des sozialistischen Realismus gehalten habe, so dass es kein "musterhaftes" Buch geworden sei. Sie kritisiert "Obszönität", "Spontaneität", mangelnde Planung, fehlende Parteilichkeit und die Tatsache, dass es kein Entwicklungsroman sei. Messerle, dieses schneidende Diminutiv, vertritt damit den dogmatischen Parteistandpunkt, der von Anneliese Löffler, die Messerle auch im Namen kongenial ist, im SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" so formuliert wurde: Braun greife zu den "absurdesten Konstruktionen... Inhalt und Form gerinnen zur Farce", da der Autor "statt der realen Welt, statt der realen Widersprüche nur Gegensätze sieht".

Der folgende Auszug macht deutlich, wie Text und Geschehen ineinander übergehen, die Handlung praktisch das Manuskript fortschreibt:

 

"Als ich soweit gekommen war, hielt ich es, im gesellschaftlichen Interesse, für

nötig, mich der Diskussion zu stellen, in einem Gremium, das ich im selben Interesse

nicht näher beschreibe. Ich las ein Kapitel vor – der Einfachheit halber und um keine

Zeit zu verlieren dieses, das ich gerade schreibe und das damit beginnt, daß Frau Prof.

Messerle von einem andern Buch sprach, das ich hätte schreiben sollen: obwohl es

kürzlich ein anderer geschrieben hat. Sie konnte nicht genug gleichartige Bücher

bekommen, musterhafte, sie stellte sie vermutlich im Wohnzimmer nebeneinander,

eine sichere Bastion gegen die unzuverlässige Wirklichkeit. Aber wo mein Buch hätte

stehen können, klaffte eine kleine Lücke; in der sie nun mit dem Zeigefinger

fuhrwerkte: wodurch die sich aber, im Verlauf dieses Kapitels, noch erweiterte! Ich

konnte nichts dafür, diese Zuarbeit widerfährt den Realisten von unerwartetster Seite.

Hätte sich der Autor B., fuhr Frau Prof. Messerle fort, an das gehalten, was wir gesagt

haben, immer wieder gesagt haben, immer und immer wiederholt haben in unseren

Modezeitschriften, hätte er einmal die Strickvorlagen angesehn! (…)

Der Autor B. hat einfach ein unsauberes Gewebe geliefert. Er hat den roten

Faden verfitzt. Man erkennt die Masche nicht mehr! (Ich stockte beim Vorlesen, aber

Frau Messerle schloß geläufig an:) Er muß sich nicht wundern, wenn der Leser den

Rock nicht anziehen will. – Von mir aus, versuchte ich zu scherzen, braucht er gar nix 

anziehn. – Da seht ihr, sagte sie ernst, diese Obszönität. Er will uns nackt sehn. – Da

ist in gewisser Weise etwas dran, las ich weiter. – Aber ein bloß amouröser Roman (:

Frau Messerle) befleckt ... (sie verhaspelte, sie verhackselte sich) bekleckt ... verdeckt

unser Leben, das sich anständig entwickelt. Die Liebe ist die Spontaneität in Person,

bzw. in Personen, die der bewußten Führung und Leitung bedürfen. Der Autor hat das

Werk nicht geplant bzw. den Plan nicht erfüllt. Er ist ein Opfer seiner Triebe, seiner

Antriebe, seiner, nun, Sehnsüchte, seiner ... wir kennen das alle, Wunschvorstellungen

... Diese Figuren (schrie sie unvermittelt, unbegreiflicherweise) entwickeln sich einfach

nicht! – Sie saß hochrot im Vorsitz, mit zusammengekniffnen Knien, und die Kollegen,

irgendwie ergriffen, beeilten sich, ihr beizupflichten. Sie entwickeln sich nicht, sie

entwickeln sich nicht! riefen sie reihum, und ich sah beschämt auf meine Blätter. Sie

welkten dahin.

Das muß ich sofort ändern, las ich."

 

Aus: Paul Kroker, Vorwärts und nicht vergessen - Ein halbes Jahrhundert Literatur der DDR  (2009), S.34 ff

  

 

Mit Sarah Kirsch macht in den sechziger Jahren ein lyrisches Talent auf

sich aufmerksam, das sich in der Folgezeit zu einer der wichtigsten Lyrikerinnen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur entwickelt. 1935 geboren, absolvierte Sarah, die eigentlich Ingrid heißt, nach dem Abitur ein

Biologiestudium. 1963-65 besuchte sie das Institut für Literatur Johannes R.

Becher in Leipzig. Danach ist sie als freie Schriftstellerin tätig. 1967

veröffentlichte sie ihren ersten eigenständigen Gedichtband Landaufenthalt.

Neben Gedichten tritt Kirsch auch mit Erzählungen und Übersetzungen in

Erscheinung. In den achtziger Jahren verwischen sich häufig die Grenzen

zwischen Lyrik und Prosa: Es erscheinen Prosagedichte (La Pagerie, 1980)

und lyrische Prosa (Allerleih-Rauh, 1988). Orte, die die Dichterin immer wieder aufsucht, sind Natur und Eros; dabei spricht sie oft von Einsamkeit und ist doch voller Sehnsucht, für sich allein und doch mit anderen sein zu können. Ihre Sprache kann ebenso knapp und präzis wie metaphernreich und verspielt sein.

Nach der Biermann-Ausbürgerung, gegen die auch Sarah Kirsch protestiert,

geht sie 1977 zuerst nach Westberlin und lebt heute in Norddeutschland.

Insgesamt gelingt es ihr und der Sächsischen Dichterschule überhaupt – zu der sie und ihre Freunde gerechnet werden – in außerordentlich schöpferischer Weise, Gesellschaftliches und Persönliches, Politisches und Poetisches, Zustimmung und Widerspruch miteinander zu verbinden. Viele Gedichte und Erzählungen Sarah Kirschs werden gern als der Frauenliteratur zugehörig bezeichnet. Wenn dabei kein modisch-oberflächliches, radikal-feministisches Verständnis zugrunde gelegt wird, kann das durchaus angehen. Wie sie es aber selbst sieht, formuliert die Dichterin so: "Ich halte Emanzipationsschreiberei für unsinnig. Mann und Frau sollen nicht gegeneinander, sondern miteinander fertig werden. Beide müssen menschlich leben können."

Das folgende Gedicht stammt aus Sarah Kirschs drittem Gedichtband

(Zaubersprüche,1973), erzählt den Prozess einer Befreiung und ist zugleich ein Hymnus auf die Liebe.

 

 

SARAH KIRSCH, Ich wollte meinen König töten

 

Ich wollte meinen König töten

Und wieder frei sein. Das Armband

Das er mir gab, den einen schönen Namen

Legte ich ab und warf die Worte

Weg die ich gemacht hatte: Vergleiche

Für seine Augen die Stimme die Zunge

Ich baute leergetrunkene Flaschen auf

Füllte Explosives ein – das sollte ihn

Für immer verjagen. Damit

Die Rebellion vollständig würde

Verschloß ich die Tür, ging

Unter Menschen, verbrüderte mich

In verschiedenen Häusern – doch

Die Freiheit wollte nicht groß werden

Das Ding Seele dies bourgeoise Stück

Verharrte nicht nur, wurde milder

Tanzte wenn ich den Kopf

An gegen Mauern rannte. Ich ging

Den Gerüchten nach im Lande die

Gegen ihn sprachen, sammelte

Drei Bände Verfehlungen eine Mappe

Ungerechtigkeiten, selbst Lügen

Führte ich auf. Ganz zuletzt

Wollte ich ihn einfach verraten

Ich suchte ihn, den Plan zu vollenden

Küßte den andern, daß meinem

 

König nichts widerführe.

 

 

Aus: Paul Kroker, Vorwärts und nicht vergessen - Ein halbes Jahrhundert Literatur der DDR  (2009), S.66 ff

 

 

Heiner Müller spricht 1981 von dem "Alptraum, dass die Alternative Sozialismus oder Barbarei abgelöst wird durch die Alternative Untergang oder Barbarei. Das Ende der Menschheit als Preis für das Überleben des Planeten."

Solche Schreckensvisionen waren in den siebziger Jahren noch

weitgehend unbekannt und erweiterten nun den Gesichtskreis der DDR-Literatur

über sich selbst hinaus auf existentielle Probleme der Gattung Mensch schlechthin. Abschied von der Utopie, Apokalypse als Alternative? Ohne Zweifel hatte sich der Widerspruch der Utopie zur Lebenspraxis stets vergrößert, dabei ist die eigene Haltung realistischer geworden und Skepsis gewinnt zunehmend an Boden.

 

HEINER MÜLLER, "Nachtstück"

 

Auf der Bühne steht ein Mensch. Er ist überlebensgroß, vielleicht eine Puppe.

Er ist mit Plakaten bekleidet. Sein Gesicht ist ohne Mund. Er betrachtet seine Hände,

bewegt die Arme, probiert seine Beine aus. Ein Fahrrad, von dem Lenkstange oder

Pedale oder beides oder Lenkstange, Pedale und Sattel entfernt worden sind, fährt von

rechts nach links schnell über die Bühne. Der Mensch, der vielleicht eine Puppe ist,

läuft hinter dem Fahrrad her. Eine Schwelle fährt aus dem Bühnenboden. Er stolpert

darüber und fällt. Auf dem Bauch liegend, sieht er das Fahrrad verschwinden. Die

Schwelle verschwindet von ihm ungesehn. Wenn er aufsteht und sich nach der

Ursache für seinen Sturz umsieht, ist der Bühnenboden wieder glatt. Sein Verdacht fällt

auf seine Beine. Er versucht sie sich im Sitzen auszureißen, in der Rückenlage, aus

dem Stand. Die Ferse am Gesäß, den Fuß mit beiden Händen packend, reißt er sich

das linke Bein aus, dabei aufs Gesicht gefallen in der Bauchlage das rechte. Er liegt

noch auf dem Bauch, wenn das Fahrrad von links nach rechts langsam an ihm vorbei

über die Bühne fährt. Er bemerkt es zu spät und kann es kriechend nicht einholen. Sich

aufrichtend und seinen schwankenden Rumpf mit den Händen abstützend, macht er

die Entdeckung, daß er seine Arme zur Fortbewegung gebrauchen kann, wenn er den

Rumpf in Schwung bringt, nach vorn wirft, mit den Händen nachgreift usw. Er übt eine

neue Gangart. Er wartet auf das Fahrrad, erst am rechten, dann am linken Portal. Das

Fahrrad kommt nicht. Der Mensch, der vielleicht eine Puppe ist, reißt sich, den rechten

mit der linken und den linken mit der rechten Hand, gleichzeitig beide Arme aus. Hinter

ihm fährt bis in Kopfhöhe die Schwelle aus dem Bühnenboden, diesmal, damit er nicht

fällt. Vom Schnürboden kommt das Fahrrad und bleibt vor ihm stehen. An die kopfhohe

Schwelle gelehnt, betrachtet der Mensch, der vielleicht eine Puppe ist, seine Beine und

Arme, die weit verstreut auf der Bühne herumliegen, und das Fahrrad, das er nicht

mehr gebrauchen kann. Er weint mit jedem Auge eine Träne. Zwei Beckett-Stachel in

Augenhöhe werden von rechts und links hereingefahren. Sie halten am Gesicht des

Menschen, der vielleicht eine Puppe ist, er braucht nur den Kopf zu wenden, einmal

nach rechts, einmal nach links, den Rest besorgt der Stachel. Die Stachel werden

hinausgefahren, jeder eine Auge auf der Spitze. Aus den leeren Augenhöhlen des

Menschen, der vielleicht eine Puppe ist, kriechen Läuse und verbreiten sich schwarz

über sein Gesicht. Er schreit. Sein Mund entsteht mit dem Schrei.

 

In der Pantomime des "Nachtstücks" fasst Heiner Müller noch einmal alle

Figuren der Selbstzerstörung, Fragmentierung und verzweifelten Trauer aus

seinem Theaterstück Germania Tod in Berlin (1977) zusammen: "Der Mensch,

der vielleicht eine Puppe ist", zerstückelt sich im Verlauf der Szene selbst. Am

Ende werden ihm − unter explizitem Verweis auf Samuel Beckett − die Augen

ausgestochen. Die groteske Selbst-Demontage ist perfekt.

 

Aus: Paul Kroker, Vorwärts und nicht vergessen - Ein halbes Jahrhundert Literatur der DDR  (2009), S.76f

 

 

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen

Das wiedergefundene alte Buch

Begeisterte Gesichter

Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten

Die Zeitung

Der Hund

Die Dialektik

Duschen, Schwimmen

Alte Musik

Bequeme Schuhe

Begreifen

Neue Musik

Schreiben, Pflanzen

Reisen

Singen

Freundlich sein.

 

 

Als inhaltlich und formal beispielhaft kann ein um 1954 entstandenes

Gedicht gelten, das, oberflächlich besehen, sich als ein Katalog rein zufällig

zusammengetragener privater Glücksmöglichkeiten darstellt. Dennoch kann

jeder Vers – zum Beispiel im Kontext mit Brechts Biografie und der

Zeitgeschichte – eine soziale Dimension gewinnen. Außerdem zeigen die

Paarbildungen, die Positionierung des Begriffs "Dialektik" in der

Gesamtstruktur, sowie die Referenzmöglichkeiten der einzelnen Verse die  

künstlerische Reflexion des Dichters.

 

Aus: Paul Kroker, Vorwärts und nicht vergessen - Ein halbes Jahrhundert Literatur der DDR  (2009), S. 48 f

Die digitale Hommage an BB in ihrer finalen Version stammt vom Autor (2015)

 

Die Erzählung "Mäusefest" von Johannes Bobrowski, 1962 verfasst, legt Zeugnis ab

von der fast vollkommen zerstörten Kultur des osteuropäischen Judentums. Der

Name des Helden Moise Trumpeter ist jiddisch, er selbst spricht auch Jiddisch,

eine aus mittelhochdeutschen, hebräischen, romanischen und auch slawischen

Elementen durchmischte Sprache. Wie diese selbst eine Form des

interkulturellen Austauschs darstellt, so geht es im Werk Bobrowskis auch

immer wieder um die Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit des

Zusammenlebens verschiedener Ethnien im mittelosteuropäischen Raum,

besonders um das Verhältnis der Deutschen zu ihren osteuropäischen

Nachbarn. In den beiden Erzählbänden Boehlendorff und Mäusefest und Der

Mahner werden die wesentlichen durch den Krieg hervor gerufenen Zäsuren im

Leben der Generation des Autors sowie Menschen, Landschaften und

Geschichtliches seiner Heimat Ostpreußen geschildert. Bobrowskis Versuch

der Aussöhnung brachte ihm noch vor seinem frühen Tod mit achtundvierzig

Jahren ungeteilte Anerkennung sowohl in der DDR wie in der BRD.

 

 

Moise Trumpeter sitzt auf dem Stühlchen in der Ladenecke. Der Laden ist klein, und er ist

leer. Wahrscheinlich weil die Sonne, die immer hereinkommt, Platz braucht und der Mond

auch. Der kommt auch immer herein, wenn er vorbeigeht. Der Mond also auch. Er ist

hereingekommen, der Mond, zur Tür herein, die Ladenklingel hat sich nur einmal und ganz

leise nur gerührt, aber vielleicht gar nicht, weil der Mond hereinkam, sondern weil die

Mäuschen so laufen auf den dünnen Dielenbrettern. Der Mond ist also gekommen, und

Moise hat Guten Abend, Mond! gesagt, und nun sehen sie beide den Mäuschen zu.

 

Das ist aber auch jeden Tag anders mit den Mäusen, mal tanzen sie so und mal so, und

alles mit vier Beinen, einem spitzen Kopf und einem dünnen Schwänzchen.

 

Aber lieber Mond, sagt Moise, das ist längst nicht alles, da haben sie noch so ein

Körperchen, und was da alles drin ist! Aber das kannst du vielleicht nicht verstehen, und

außerdem ist es gar nicht jeden Tag anders, sondern immer ganz genau dasselbe, und das,

denk ich, ist gerade so sehr verwunderlich. Es wird schon eher so sein, daß du jeden Tag

anders bist, obwohl du doch immer durch die gleiche Tür kommst und es immer dunkel ist,

bevor du hier Platz genommen hast. Aber nun sei mal still und paß gut auf.

 

Siehst du, es ist immer dasselbe.

 

Moise hat eine Brotrinde vor seine Füße fallen lassen, da huschen die Mäuschen näher, ein

Streckchen um das andere, einige richten sich sogar auf und schnuppern ein bißchen in die

Luft. Siehst du, so ist es. Immer dasselbe.

 

Da sitzen die beiden Alten und freuen sich und hören zuerst gar nicht, daß die Ladentür

aufgegangen ist. Nur die Mäuse haben es gleich gehört und sind fort, ganz fort und so

schnell, daß man nicht sagen kann, wohin sie gelaufen sind.

 

In der Tür steht ein Soldat, ein Deutscher. Moise hat gute Augen, er sieht: ein junger

Mensch, so ein Schuljunge, der eigentlich gar nicht weiß, was er hier wollte, jetzt, wo er in

der Tür steht. Mal sehen, wie das Judenvolk haust, wird er sich draußen gedacht haben.

Aber jetzt sitzt da der alte Jude auf seinem Stühlchen, und der Laden ist hell vom Mondlicht.

Wenn Se mechten hereintreten, Herr Leitnantleben, sagt Moise.

Der Junge schließt die Tür. Er wundert sich gar nicht, daß der Jude Deutsch kann, er steht

so da, und als Moise sich erhebt und sagt: Kommen Se man, andern Stuhl hab ich nicht,

sagt er: Danke, ich kann stehen, aber er macht ein paar Schritte, bis in die Mitte des Ladens,

und dann noch drei Schritte auf den Stuhl zu. Und da Moise noch einmal zum Sitzen

auffordert, setzt er sich auch.

 

 

Jetzt sind Se mal ganz still, sagt Moise und lehnt sich an die Wand.

 

Die Brotrinde liegt noch immer da, und, siehst du, da kommen auch die Mäuse wieder. Wie

vorher, gar nicht ein bißchen langsamer, genau wie vorher, ein Stückchen, noch ein

Stückchen, mit Aufrichten und Schnuppern und einem ganz winzigen Schnaufer, den nur

Moise hört und vielleicht der Mond auch. Ganz genau wie vorher.

 

Und nun haben sie die Rinde wiedergefunden. Ein Mäusefest, in kleinem Rahmen, versteht

sich, nichts Besonderes, aber auch nicht ganz alltäglich.

 

Da sitzt man und sieht zu. Der Krieg ist schon ein paar Tage alt. Das Land heißt Polen. Es ist

flach und sandig. Die Straßen sind schlecht, und es gibt viele Kinder hier. Was soll man da

reden? Die Deutschen sind gekommen, unzählig viele, einer sitzt hier im Judenladen, ein

ganz junger, ein Milchbart. Er hat eine Mutter in Deutschland und einen Vater, auch noch in

Deutschland, und zwei kleine Schwestern. Nun kommt man also in der Welt herum, wird er

denken, jetzt ist man in Polen, und später vielleicht fährt man nach England, und dieses

Polen hier ist ganz polnisch.

 

Der alte Jude lehnt an die Wand. Die Mäuse sind noch immer um ihre Rinde versammelt.

Wenn sie noch kleiner geworden ist, wird eine ältere Mäusemutter sie mit nach Hause

nehmen, und die andern Mäuschen werden hinterherlaufen.

 

Weißt du, sagt der Mond zu Moise, ich muß noch ein bißchen weiter. Und Moise weiß schon,

daß es dem Mond unbehaglich ist, weil dieser Deutsche da herumsitzt. Was will er denn

bloß? Also sagt Moise nur: Bleib du noch ein Weilchen.

 

Aber dafür erhebt sich der Soldat jetzt. Die Mäuse laufen davon, man weiß gar nicht, wohin

sie alle so schnell verschwinden können. Er überlegt, ob er Aufwiedersehn sagen soll, bleibt

also einen Augenblick noch im Laden stehen und geht dann einfach hinaus.

 

Moise sagt nichts, er wartet, daß der Mond zu sprechen anfängt. Die Mäuse sind fort,

verschwunden. Mäuse können das.

 

Das war ein Deutscher, sagt der Mond, du weißt doch, was mit diesen Deutschen ist. Und

weil Moise noch immer so wie vorher an der Wand lehnt und gar nichts sagt, fährt er

dringlicher fort: Weglaufen willst du nicht, verstecken willst du dich nicht, ach Moise. Das war

ein Deutscher, das hast du doch gesehen. Sag mir bloß nicht, der Junge ist keiner, oder

jedenfalls kein schlimmer. Das macht jetzt keinen Unterschied mehr. Wenn sie über Polen

gekommen sind, wie wird es mit deinen Leuten gehn?

 

Ich hab gehört, sagt Moise.

 

Es ist jetzt ganz weiß im Laden. Das Licht füllt den Raum bis an die Tür in der Rückwand.

Wo Moise lehnt, ganz weiß, daß man denkt, er werde immer mehr eins mit der Wand. Mit

jedem Wort, das er sagt. Ich weiß, sagt Moise, da hast du ganz recht, ich werde Ärger

kriegen mit meinem Gott.

 

 

Aus: Paul Kroker, Vorwärts und nicht vergessen - Ein halbes Jahrhundert Literatur der DDR  (2009), S. 55 ff

Die digitale Hommage an Bobrowski in ihrer finalen Version stammt vom Autor (2008)

 

 

Mit Wolf Biermann hat das politische Lied und Gedicht in der DDR eine

neue Qualität erreicht. Im Unterschied zu den Agitprop-Dichtern, die den

Sozialismus lobpriesen, verstand sich Biermann als linker Kritiker des

preußisch-stalinistischen Sozialismus. 1936 in Hamburg als Sohn einer

antifaschistisch-kommunistischen Familie geboren, ging Biermann 1953 aus

politischer Überzeugung in die DDR und studierte dort Politische Ökonomie,

Philosophie und Mathematik. 1957-59 war er Regieassistent, seit 1960 freier

Schriftsteller und Liedermacher. 1963 wird er aus der SED ausgeschlossen;

1965 erhielt er von der Partei absolutes Publikations-, Auftritts- und

Reiseverbot, denn man beschuldigte ihn der "prinzipiellen Gegnerschaft zum

realen Sozialismus". 1976 erhält er überraschend die Erlaubnis zu einer

Liedertournee in der BRD, von der er nicht wieder in die DDR zurück darf.

Seine Ausbürgerung dauerte bis zum 1. Dezember 1989, als Biermann nach

fast 25 Jahren wieder in der DDR auftreten konnte. Sich auf François Villon,

Heinrich Heine und Bert Brecht berufend, verbindet Biermann in der

kompromisslosen Offenheit seiner Dichtung stets das Politische mit dem

Privaten. 1965 erscheint im Westberliner Wagenbach-Verlag ein achtzig Seiten

starkes Bändchen mit Balladen, Gedichten und Liedern, entstanden seit 1960,

unter dem Titel Die Drahtharfe. Darüber ließ sich Erich Honecker auf der

bekannten ZK-Sitzung desselben Jahres so aus:

 

Biermanns so genannte Gedichte kennzeichnen sein spießbürgerliches,

anarchistisches Verhalten, seine Überheblichkeit, seinen Skeptizismus und Zynismus.

Biermann verrät heute mit seinen Liedern und Gedichten sozialistische

Grundpositionen. Dabei genießt er wohlwollende Unterstützung und Förderung einiger

Schriftsteller, Künstler und anderer Intellektueller. Es ist an der Zeit, der Verbreitung

fremder und schändlicher Thesen und unkünstlerischer Machwerke, die zugleich auch

stark pornographische Züge aufweisen, entgegenzutreten.

 

Im Gedicht "Rücksichtslose Schimpferei", das zur letzten Abteilung

"Beschwichtigungen und Revisionen" gehört, schreit sich ein junger Kommunist

den Ärger über die besserwisserischen, dogmatischen, halsstarrigen Altgenossen

und ihre Methoden der Auseinandersetzung von der Seele. Wohl nicht

zufällig ist auch der Rahmen dieses Gedichts: Das vorangehende "An die alten

Genossen" endet mit den Versen: "Setzt eurem Werk ein gutes Ende/ Indem ihr

uns/ Den neuen Anfang lasst!". In der folgenden "Ballade vom Mann (der sich

eigenhändig die beiden Füße abhackte)" heißt die vorletzte Strophe: "Es hackte

die Partei/ sich ab so manchen Fuß/ so manchen guten Fuß/ abhackte die

Partei".

 

 

WOLF BIERMANN, Rücksichtslose Schimpferei

 

1

Ich Ich Ich

bin voll Haß

bin voll Härte

der Kopf zerschnitten

das Hirn zerritten

 

Ich will keinen sehn!

Bleibt nicht stehn!

Glotzt nicht!

Das Kollektiv liegt schief

 

Ich bin der Einzelne

das Kollektiv hat sich von mir

i s o l i e r t

Stiert mich so verständnisvoll nicht an!

Ach, ich weiß ja schon

Ihr wartet mit ernster Sicherheit

daß ich euch

in das Netz der Selbstkritik schwimme

 

Aber ich bin der Hecht

Ihr müßt mich zerfleischen

zerhacken, durchn Wolf drehn

wenn ihr mich aufs Brot wollt!

 

2

Ja, wenn ich zahnlos wäre

nenntet ihr mich reif

 

Wenn ich bei jeder fetten Lüge

milde lächeln würde

wär ich euch der Kluge

 

Wenn ich über das Unrecht hinweggehn würde

wie ihr über eure Frauen hinweggeht

ihr hättet mich schon längst

in euer Herz geschlossen

 

3

Das Kind nicht beim Namen nennen

die Lust dämpfen und

den Schmerz schlucken

den goldenen Mittelweg gehen

am äußersten Rande des Schlachtfelds

den Sumpf mal Meer, mal Festland nennen

das eben nennt ihr

V e r n u n f t

Und merkt nicht, daß eure Vernunft

aus den Hirnen der Zwerge

aus den Schwänzen der Ratten

aus den Ritzen der Kriechtiere

entliehen ist? Ihr

wollt mir den Kommunismus predigen

und seid die Inquisition des Glücks. Ihr

zerrt die Seelen auf den Feuerpfahl. Ihr

flechtet die Sehnsucht auf das Rad. Ihr!

Geht mir weg mit euren Schwammfressen!

Geht beleidigt und entrüstet!

Geht mit Kopfschütteln über meine falsche Haltung

aber Geht!

 

4

Ich will beharren auf der Wahrheit

ich Lügner

 

5

Ich habe euch lieb

Hier habt ihr den Schrieb

schwarz auf weiß

ich liebe euch heiß

aber jetzt laßt mich bitte allein sein

auf der schiefen Linie

getrennt vom Kollektiv

Ich liege eben schief

Ich lieg bei meiner Frau 

und die kennt mein Herz

 

 

Aus: Paul Kroker, Vorwärts und nicht vergessen - Ein halbes Jahrhundert Literatur der DDR  (2009), S. 64 ff

 

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