
"Dorothy und ihr Hund Toto leben gemeinsam im grauen und trostlosen Kansas, mitten in Amerika. Sie träumen davon, ihr Zuhause wieder bunt zu machen, als ein riesiger Sturm aufzieht und sie davonwirbelt – weit fort, bis in das sagenumwobene Reich des Zauberers von Oz. Hier ist alles voller Farben, und sie trauen ihren Augen kaum, als sie nicht nur ein sonderbares Paar roter Schuhe finden, sondern auch noch einer waschechten Hexe begegnen, die ihnen den Weg in eine Smaragdstadt weist. So machen sie sich auf eine wunderbar-magische Reise zum angeblich größten Zauberer aller Zeiten, damit er ihnen ihre größten Wünsche erfüllt. Unterwegs treffen sie einen verträumten Strohmann, eine verliebte Blechfrau und einen schüchternen Löwen, die sich ihnen anschließen – und dann ist da auch noch die rote Hexe, die es auf Dorothys Schuhe abgesehen hat.
Auf ihrem Weg voller Abenteuer entdecken die Freunde, wie stark sie gemeinsam sind, dass die Dinge manchmal ganz anders sind, als sie zunächst scheinen, und dass vielleicht schon (fast) alles in ihnen steckt, was sie brauchen."
So das Resumee des Hamburger Theater-Zettels. Und es zeigt, worauf diese Inszenierung eines weltweit veröffentlichten sowie von Theater und Film adaptierten Buches abzielt. Auf ein junges Publikum und hier explizit ab 4 Jahre, denn es ist das traditionell vorweihnachtliche Theaterstück des EDT,vornehmlich für Kinder jeden Alters. Letztes Jahr waren es:
Die Vielzahl der Kritiken und Referenzen zur 1900 veröffentlichten Erzählung des US-amerikanischen Autors Lyman Frank Baum erfährt neben heftigster Ablehnung aus konservativen und kirchlichen Kreisen vor allem eine breite, nie enden wollende Zustimmung aus Künstkerkreisen von damals bis heute und schafft eine wahre Fülle von Kreationen ganz unterschiedlicher Art.
Oft nur in Form von Anspielungen und Zitaten. Ein Beispiel vor einigen Wochen am Theater Bremen „Der Zauberer von Öz – Eine Fußballtragödie“ von Akın Emanuel Şipal.
Dann aber sind es auch besonders Adaptionen für Film und Theater, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Absolut nichts Besonderes in der Welt der Künste. Kunst sollte jedoch auch immer besonders sein, warum sie sonst immer neu produzieren?!
Um einen kleinen Eindruck neben der aktuellen Hamburger Fassung am EDT davon zu vermitteln, welche Möglichkeiten sich für Regie, Bühnenbild, Licht und Musik sowie natürlich für die Schauspieler*innen ergeben können, hier nun aus dem internationalen Panorama drei Beispiele: die "klassische" Filmversion (USA1939), eine Theaterinszenierung aus Österreich (2012) sowie ein Musical (Hannover 2022).
Dabei sind viele alte und neue Anregungen zu finden, die nicht unbedingt dem eigenen Geschmack entsprechen mögen.
Hier also der kleine
Überlick über drei Produktionen
Film s/w und in Farbe von Warner Bros. 1939, Teil I, deutsch, 52'
GOP Varieté Theater Hannover am 23.12.2022 (1:48:3)22
Wie die Kollegi:innen diese Inszenierungen aus den USA, Österreich und Hannover setzen die der aktuellen im Hamburger EDT ihre eigenen Akzente.
Zunächst hinsichtlich der Besetzung von fünf Schauspieler:innen für neun Rollen, was auch die Struktur dieser Bühnenfassung bestimmt.
Besonders auffällig die herausgehobene Funktion des Hundes Toto, Liebling der eigentlichen Zentralfigur Dorothy, mit seinem Antrittsmonolog vor dem Vorhang. Dann auch bei seinem leisen Flirt mit der flotten "Blechfrau", eingekleidet in glänzendes Alu - wie hier:

Wie so oft betritt auch in Hamburg der im Stücktitel Angesprochene gar nicht erst die Bühne, er bleibt jener mysteriöse Oz, dem geradezu Wunderkräfte zugesprochen werden, unabhängig davon, ob diese wirklich in Erfüllung gehen. Übrigens wie zumeist bei angebeteten Idolen jedweder Couleur.
Doch die werden im "OZ" von jenen, die nicht über Herz, Hirn und Mut zu verfügen meinen, nicht immer mühelos, doch schließlich von selbst erstritten. Ohne Hilfe von oben. Was in den USA unter McCarthy als quasi kommunistisches Gedankengut angeprangert wurde.
Von den vier bösen und guten Hexen treten nur zwei auf der Bühne des EDT in Erscheinung,von denen die grüne auf ihrer grünen Burg den bösen Part übernimmt und als große mannsbäuchige Gestalt ebenso großspurig auftritt.
Dabei ließe sich vielleicht eine ausgewogenere Vielfarbigkeit in Alternative zu dem Grau der Herkunftslandschaft Dorothys gerade in Anlehnung an das überschäumende Farben-Reich der kleinwüchsigen Bevölkerung im 1939er Film des "Wizard of OZ" mehr als gut vorstellen. Und es zeigt sich ja auch im EDT, dass das gut gelingen kann, wie hier auf einem Foto der Premiere zu erkennen ist.
Auch die Hamburger Abendzeitung vermerkt dann noch anerkennend den Einsatz eines Trampolins, das im Bühnenboden eingelassen eine ordentliche Portion artistischer Beschwingung in die Bewegungsabläufe des Ensembles mit hervorbringt.
Und das mussten einfach die Kleinen im Theatersaal goutieren, die auf solch Spielgerät in ihren Vorgärten wie auf Hüpfburgen so herzlich gern herumspringen, turnen und tanzen!
Ihr Jubel passte sich - und nicht nur deshalb - bestens ein in den verdienten Schlussapplaus von Groß und Klein.
csm_251111_Fantitsch_EDT_Zauberer_von_Oz088_e25ff6ee16 / Premierenfoto: kunoweb.de
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ERNST DEUTSCH THEATER
14..11. - 23.12.2025
November 2025 Paul Kroker
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