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DANSE MACABRE

TanzTheater

 

 

 

John Neumeier - Hamburg Ballett 

 

 

 

50 Jahre Chefchoreograf zu seiner 172. Inszenierung Ende 2022

 

"Dona Nobis Pacem – gib uns Frieden. Dieser Titel ist mir wichtig, selbst auf die Gefahr hin, dass er auf manche naiv, pathetisch oder gar prätentiös wirken könnte. Den Titel und die Musik habe ich vor dem 24. Februar ausgewählt.

Angesichts der um sich greifenden Unversöhnlichkeit in unserer Welt bot dieser Gedanke eine wichtige Anregung, mich mit Johann Sebastian Bachs vielschichtiger Komposition zu befassen.

In meiner 50. Saison als Intendant sehe ich diese Kreation als große Chance. Es wäre für mich unvorstellbar, ein Ballett mit der h-Moll-Messe mit einer anderen Compagnie als meiner eigenen zu erarbeiten.

Etwas Derartiges ist nur mit einem vertrauten Ensemble möglich, wie es die Tänzerinnen und Tänzer meiner Compagnie in einzigartiger Weise sind."

John Neumeier 

 

 

Wie er selbst für die weltweit größten Musiker und Schriftsteller in der Vielzahl seiner Choreographien die eigene Faszination für diese bewundernswerten Künstlergenies zum Ausdruck brachte und bringt, ist John Neumeier seit 1973 selbst zur internationalen Ikone der Tanzkunst aufgestiegen. Ihm gelingt es, aus Kompositionen dramatische Choreografien herauszuarbeiten, die immer wieder neu die Grenzen des klassischen Balletts ausloten, überwinden und zu neuen Harmonien führen, sei es bei Bach, Gustav Mahler, Beethoven, Händel ergänzt um den Zeitgenossen Arvo Pärt.

Oder Franz Schubert in Ghost Light, der ersten abendfüllenden Vorstellung eines neuen Tanzstücks in/nach Corona-Zeiten: ein Ballett ohne Berührung, Tanz nur mit dem/r eigenen Partner*in, was Distanz und ihre Überwindung thematisiert als Zeichen der Hpffnung in dunkler Zeit, auf dass die Flamme der Kreativität nicht verlösche.

 


  

 

KUNOs Programm mit Start ab 6.Dezember fokussiert recht umfangreich das Thema Tanztheater, also Kunstformen des Tanzes, die immer wieder andere Kunstgattungen mit einbinden wie Theater, Oper, Licht, Musik, Klang und Gesang, Film, Artistik und digitale Medien.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts orientiert sich zeitgenössischer Tanz immer stärker experimentell und weniger an klassischen Prinzipien und Traditionen von Ballett und Spitzentanz sowie auch von Gesellschafts- und volkstümlichem Tanz. Ihm als Paartanz mit seinem „Potenzial zur kreativen Nachahmung“, den positiven Auswirkungen „auf Emotionen, das körperliche Wohlbefinden und soziale Kompetenzen“ galt auch die Wertschätzung der Deutschen UNESCO Kommission.

Wie bei den weltweit nun als immaterielles Erbe registrierten elf Paartänzen geht es bei der UNESCO-Tagung in Marokko in diesen Tagen darum, gleichfalls den in den 1920er Jahren in Deutschland geprägten Ausdruckstanz, die Urform der modernen Tanzkunst,  in die Liste des immateriellen Welterbes aufzunehmen. Das ist soeben geschehen!

 

Moderne Tanzformen verstehen sich ganz grundsätzlich frei und für alle kulturellen Ansätze offen; sie sind nicht orientiert an Kommerz und Prestige und folgen nicht unbedingt dem Prinzip der Harmonie und einer normativen Ästhetik. Sie können, müssen aber nicht verzichten auf eine kontinuierliche Erzählung, können also fragmentarisch und assoziativ ein Thema behandeln. Vom Anspruch her immer zeitgenössisch verhält sich heutige Tanzkunst zu allem, was ihre Zeit und die sie prägenden Phänomene charakterisiert: Macht und Ohnmacht, Freiheit und Kontrolle, Dominanz und Schwäche, Gemeinschaft und Isolation. Tanz und Bewegung ergeben sich aus den Auseinandersetzungen darum mit allem und all denen, die denselben Lebensraum teilen.

Tänzerische Bewegung kann da, muss aber nicht bei der künstlerischen Gestaltung das alleinige Ausdrucksmittel sein, sondern kann eben auch zusammen mit Sprache, Rezitation und Gesang, dem Musizieren auf unterschiedlichsten Klanginstrumenten, mit Pantomime und sogar Puppenspiel eingesetzt werden. Und in dieser Freiheit kann sich Tanzperformance mal eher einer alltäglicheren wie auch mehr stilisierten Körpersprache bedienen, die sich natürlich an der Choreographie wie an den physischen Bedingungen der Tänzer*innen ausrichtet.

 

Wenn auch das choreografische Aufgebot bei KUNOs Online-Schau mit fast vier Dutzend Präsentationen nicht zu knapp bemessen ist, erhebt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dafür war und ist auf der Tanzszene der letzten siebzig Jahre einfach zuviel los. Nur einige Beispiele:

 

Nicht fehlen dürfen natürlich Pina Bausch mit zwei ihrer Wuppertaler Produktionen, mit denen man sich auf kunoweb.de verlinken kann. Das sind Café Müller (1978, 47 Min.) mit der Choreografin als Tänzerin als auch ihre sizilianische Recherche vor Ort Palermo Palermo (1989, 112 Min.). Ein weiteres Highlight bietet Sasha Waltz mit ihrer großen internationalen Tanzcompagnie bei der Eröffnung der Elbphilharmonie 2017, einer choreografischen und musikalischen Raumerkundung im einstündigen Video.

 

Berühmt für seine bewundernswerten Choreographien zu Musiken großer Komponisten und natürlich auch bei KUNO mehr als präsent: der US-Amerikaner John Neumeier, jahrzehntelanger Ballettdirektor in Hamburg. Daneben besticht gleichfalls der in Bremen-Berlin-Bonn-bundesweit bestens bekannte radikale Johann Kresnik aus Kärnten, bei KUNO mit seinem Stück zum schillernden Gründgens, Regisseur der NS- und Nachkriegszeit (42 Min.).

 

Mit Alone Together lädt die Schweizerin Anna Anderegg (*1984) ein zum einstündigen Video einer Tanzperformance von vier Frauen zu digitaler Konnektivität, Online-Empathie, Aufmerksamkeit, Isolation und Abwesenheit. „Was ist meine Identität und was macht sie aus?“ nur eine der Fragen, auf die die acht jungen Frauen der Bordaboogies beim Tanztreffen der Jugend 2022 tänzerisch reagieren. Nach Ablaufsdatum nun ersetzt durch: die israelischen Choreografen Sharon Eyal und Gai Behar mit Chapter 3: The Brutal Journey of the Heart.

 

Und dann noch einige andere Lang-Videos und über dreißig im Kurzformat, interessante Beispiele dramatischer, ironischer, auch humoriger Choreografien, davon allein vier, die sich ganz aktuell mit Pandemie und Lockdown auseinandersetzen.

 

Viel Verschiedenes vielleicht auch als Appetizer für die Kunst des zeitgenössischen Tanzes und als Anregung, im Neuen Jahr Tanztheater endlich mal oder endlich wieder live zu erleben. Denn eins ist KUNO klar, Tanz und Theater sowie Kunst und Kultur sollte man vor Ort direkt und konkret erfahren, mit Leib und Seele, den eigenen Augen und Ohren, um sich dann auch im Video daran vorher wie nachher ergötzen zu können. 

 

November/ Dezember 2022                                                                                       Paul Kroker

 

 

 

 

Pina Bausch

 

 

Café Müller war ursprünglich der Titel eines vierteiligen Abends mit. Pina Bausch und drei weiteren Choreografen. Nur ihr Stück wird bis heute weiter aufgeführt. Seit 1980 zeigt das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Café Müller als Doppelabend zusammen mit Das Frühlingsopfer. 

Im Film dieses Stücks tanzt Pina Bausch selbst.  Sogar der Bühnenbildner Rolf Borzik ist auf der Bühne und räumt den Tänzer:innen die vielen Stühle, die überall auf der Bühne stehen, aus dem Weg.

Uraufführung von Cafè Müller: 1978, Opernhaus Wuppertal, Musik: Henry Purcell.

Zur Verfilmung: Klick aufs Foto

 

 

Ein Stück von Pina Bausch, in Koproduktion mit dem Teatro Biondo Stabile, Palermo und Andres Neumann International. Uraufführung: 17.12.1989 Opernhaus Wuppertal
Inszenierung und Choreografie: Pina Bausch; Bühne: Peter Pabst; Kostüme: Marion Cito;Musikalische Mitarbeit: Matthias Burkert
Dieses Stück entstand nach einer dreiwöchigen Recherche der Kompanie in Palermo (Italien), um die Stadt, ihre Geschichte und  Menschen kennen zu lernen unter anteilnehmender Mitwirkung des Bürgermeisters der Stadt Leoluca Orlando.
Aufführungen 2023 geplant in Ottawa und Montreal (Kanada), Wuppertal, Montpellier (F)

Zur Verfilmung: Klick aufs Foto

 

 

 

 

Urs Dietrich

 

 

Sanguis 2011, Premiere in Essen 2011.

Mit den Tänzer*innen des Folkwang Tanzstudios und des Masterstudiengangs Tanz. Neuinszenierung in der Choreografie des Schweizer Tänzers und Choreografen Urs Dietrich.

Dietrich, der selbst an der Folkwang studierte, hatte das Stück vor 20 Jahren mit dem FTS  bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen uraufgeführt. Damals noch mit 10 Tänzer*innen, inszenierte er die neue Aufführung nun mit 15 Performer*innen.

Den Titel wählte Urs Dietrich in Anlehnung an das lateinische Wort für Blut: sanguis. "Es geht um das Leben. Um diesen Saft, der uns bewegt und der uns manchmal zum Wogen bringt und manchmal friedlich macht."

 


Nach Johann Kresnik hat Tanzdirektorin Mei Hong Lin mit Urs Dietrich einen weiteren Protagonisten des Tanztheaters eingeladen zur Kreation eines neuen Tanzstücks. In Credo setzt er sich mit dem modernen Menschen im Spannungsfeld zwischen Glauben und Zweifeln auseinander und lotet choreografisch die Grenzen des modernen naturwissenschaftlichen Weltverständnisses aus mit der Frage: Wie frei ist oder wie frei kann der Mensch sein? Im Tanz sucht Urs Dietrich nach dem Einfachen und Essenziellen. Simple Details verdichten sich zu Dramen ohne auf ein gewisses Maß an Ironie zu verzichten. 

Dann erforscht Dietrich  - zur Musik von Franz Schubert und H.M.Górecki  - in seinem Stück Über_Uns (2022 )für das Ballett von Stadthagen, als genauer Beobachter der Welt, die uns umgibt,  gemeinsam mit den Tänzer*innen gesellschaftliche Phänomene, zwischenmenschliche Spannungsfelder, Konventionen und die daraus resultierende Erstarrung von Körper und Seele, blitzlichtartig durchbrochen von einem Moment der Hoffnung.

 

 

 

 

Sasha Waltz & Guests

 

 

 

Sasha Waltz & Guests, Berliner Choreografin mit ihrer internationalen Tanzkompanie, weihen vom 1. bis 4. Januar 2017  bei ihrer choreografischen und musikalischen Raumerkundung mit mehr als achtzig Tänzer*innen, Musiker*innen und Sänger*innen die Foyers der Hamburger Elbphilharmonie ein zu Klängen von Francis Poulencs Chorwerk Figure Humaine, Hildegard von Bingen, Béla Bartók, György Ligeti und Dmitri Schostakowitsch.

 

 

Unter diesem Titel schreibt die Rezensentin: "Kreatur beginnt, indem sechs in silberwollen locker gehäkelten, voluminösen Hüllen gekleidete Frauen wie übergroße ausgefranste Riesenperücken mit Beinen nach und nach auf der Bühne erscheinen. Dergestalt vom Kopf bis über den Po eingesponnen, kann man diese beweglichen Larven als nur in hautfarbene Slips gekleidete barbusige Individuen erkennen. Beats vom „Soundwalk Collective“ unterstreichen noch den Eindruck einer Museums-performance. Über die hintere in einem magisch tiefen Anthrazitgrau gehaltene Wand läuft horizontal auf mittlerer Höhe ein an den Rändern unscharfer Lichtstreifen, als hätte Lichtdesigner Urs Schönebaum an Mark Rothkos Bilder gedacht und etwas Metaphysik in sein Handwerk bringen wollen." Kostüme: Iris van Herpen.

 

 

 

 

Johann Kresnik

 

 

 

Johann Kresniks "Gründgens" - Schauspielhaus Hamburg 1995, mehr als nur eine Doku des ZDF, Videothek Martin Kasper (@martinkasper2846).

Nach einer Vorlage von Werner Fritsch. Regie und Choreographie: Johann Kresnik. Bühne und Kostüme: Penelope Wehrli. Komposition und Musikalische Leitung: Serge Weber. Mitwirkende: s. Programmheft.

Es sind häufig Biografien von Tätern und Opfern vor dem Hintergrund des Totalitarismus des 20. Jahrhunderts, die Kresnik zu seinen Arbeiten inspirieren. So sein Tanztheaterabend Gründgens.

Erst Bremen, dann Berlin, schließlich Bonn, Kresnik aus Kärnten (1939-2019) zählt zu den ganz Großen und Radikalen deutschsprachiger Choreografie und Regie.

 

Choreografisches Theater von Johann Kresnik nach William Shakespeare | Musik von Kurt Schwertsik. Ein Klassiker des Theaterberserkers Johann Kresnik aus dem Jahr 1988. Grell und gleichzeitig hoch ästhetisch beschreiben die Arbeiten des österreichischen „Enfant terrible“ der Tanzwelt gesellschaftliche und politische Fehlentwicklungen. Kresniks Macbeth, aktualisiert um den bundesrepublikanischen Politalltag, zeigt den mörderischen Kampf um die Macht.

 

 

 

 

Anna Anderegg

 

 

 

In ALONE TOGETHER von Anna Anderegg (*1984) laden vier Frauen die Öffentlichkeit ein, in einer vielschichtigen Erzählung über digitale Konnektivität, Online-Empathie, Aufmerksamkeit, Isolation und Abwesenheit nachzudenken.

Während die Augen der Performerinnen durch die digitalen Fenster auf das Weltgeschehen verweilen, beobachten die Betrachter ihre getrennten Körper, während sie auf ihre Bildschirme starren und sich allmählich in hybride lebende Skulpturen verwandeln, die den technologischen Geräten dienen (und sie verherrlichen?). 

ALONE TOGETHER untersucht die Ablenkung durch Technologie, Konsum und Promikultur durch ein Werk, das aus einer Performance und einem Film besteht. Die Performance findet in einem abstrakten Raum und einer komplexen fünfstündigen geloopten Zeitstruktur statt. Die durchgeführten Aktionen bauen einen Netzwerkraum auf, durch den das Publikum frei wandern kann.

Diese Arbeit wurde für den Schweizer Pavillon an der Gwangju Biennale, einer der wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Asien, in Auftrag gegeben. 

 

 

 

 

Mette Ingvartsen

 

 

 

Mette Ingvartsens Performance to come ist Teil ihres Werkzyklus Red Pieces. In ihm erforscht die dänische Choreografin systematisch das Zusammenspiel von privaten, öffentlichen und politischen Sphären von Sexualität. Die Inszenierung von 2005 hat sie dann 2022 nach der Pandemie erweitert zu to come (extended) mit 15 Tänzer:innen. "Sie zerlegen die erotische Ordnung in ihre einzelnen Bestandteile, untersuchen sexuelle, orgiastische und soziale Ausdrucksformen, überdenken Mechanismen des Begehrens, erforschen, auf welch unterschiedliche Weisen Körper sich verbinden können und sich das Individuelle ins Kollektive auflöst," (aus dem Text der Ruhrtriennale, September 2022) 

 

 

 

 

Vanessa Goodman

 

Die Tanzkünstlerin und Choreographin Vanessa Goodman und ihre Action at a Distance Dance Society leben und arbeiten  auf dem Territorium der indigenen MST-Völker Kanadas, wie sie selbst immer wieder voller Hochachtung erklären.

Container, eine ihrer Arbeiten von 2016 beschäftigt sich - im Rahmen ihrer Auseinandersetzung mit Tanz als Entschlüsselung zeitgenössischer Erfahrungen - mit dem tänzerischen Ausdruck von Themen wie Erbe, Kultur und Resilienz (Video 20 Min.).

 

 

 

 

YET Company

 

Die Braunschweiger YET Company zeigt ihre neueste Tanzproduktion umarmen online, nachdem sie ihre Aufführungen absagen mussten und sich entschloss, die Video-Aufnahme der Premiere vom 18. September 2020 kostenlos online zu zeigen. umarmen geht in abstrakter und spezifischer Bewegungssprache dem Verlangen nach Nähe, Verbundenheit und nach Angenommen-Werden im So-Sein nach – ein Tanzstück auf der Suche nach Nähe trotz Distanz.

 umarmen ist eine Arbeit in Koproduktion mit dem LOT-Theater im Rahmen von Tanzstelle Braunschweig. Choreographie: Fabian Cohn Tanz: Chiara Alessandro, Jonathan Bringert, Amie-Blaire Chartier, Gabriel Lawton und Mara Sauskat Musik: Christian Grothe Kostüme: Katharina Korb Licht: Daniel Wieschnewski Dramaturgie: Dominika Cohn Choreographische Assistenz: Marco Barbieri Produktionsassistenz: Paula Warkotsch

 

 

 

Julian Weber

 

 

 

Kondensierte Bewegungsmuster aus Pole-Dance und Ballett treffen auf skulpturale Recherche. Hier setzt Julian Weber seinen interdisziplinären Ansatz zwischen Bildender Kunst und Choreografie fort, indem er das bildhauerische Werk Constantin Brânçusis auf sein bewegungsästhetisches Potenzial untersucht. Körper, Skulptur, Raum und Bewegung werden einander zur Seite gestellt. Eine musikalische Komposition zwischen Balkan Folk Musik, westlicher Klassik und zeitgenössischer fragmentierter Popmusik begleitet die Balance zwischen Abstraktion, Formalisierung und Verschränkung der Genres zur Streckung – Allongé!   

Choreographie, Bühnenbild, Tanz: Julian Weber / Tanz: Shade Théret, György Jellinek / Musik: Evelyn Saylor / Lichtdesign, Performance: Annegret Schalke / Kostüme: Don Aretino / Produktion: Juan Gabriel Harcha

 

 

 

 

Sharon Eyal & Gai Behar

 

 

Die israelischen Choreografen Sharon Eyal und Gai Behar präsentieren „Chapter 3: The Brutal Journey of the Heart“ bei den Nuits de Fourvière, Schlusspunkt unter eine Trilogie, die mit dem Stück „OCD Love“ begann und mit „Love Chapter 2“ ihre Fortsetzung fand. Im Zentrum ihres „Love Cycle“ steht die Erforschung der Liebe.

The Brutal Journey of the Heart rekurriert auf das Werk der amerikanischen Schriftstellerin Hanya Yanagihara und verleiht dem Durchhaltevermögen, dem Lebenswillen tänzerische Gestalt.  Zu Musik von Ori Lichtik führen sieben Tänzer und Tänzerinnen der Kompanie L-E-V eine Choreografie mit Trance-Elementen auf, gekleidet in Kostüme von Maria Grazia Chiuri aus dem Hause Dior.

Das Stück selbst ruft – wie die Liebe, von der es inspiriert ist – eine Vielzahl von Emotionen hervor: Verlangen, Freude, Melancholie und Zärtlichkeit. Dabei gelingt es Sharon Eyal und Gai Behar, die Komplexität menschlicher Beziehungen in einer hypnotischen Performance einzufangen mit durchaus ironischen Nuancen.

ARTE-Aufzeichnung vom 23. Juli 2022 beim Festival Les Nuits de Fourvières, Lyon

 

 

 

 

ANIMA, ein Kurzfilmprojekt des US-Regisseurs Paul Thomas Anderson und des „Radiohead“-Sängers Thom Yorke anlässlich der Veröffentlichung von Yorkes gleichnamigem Soloalbum. Zu sphärischen Synthesizer-Klängen und melancholisch verlorenem Gesang entfaltet sich eine traumwandlerische Romanze in einer von Konformität und Verlorenheit geprägten Moderne. Vergegenwärtigt wird diese von einem an die Choreografien von Pina Bausch erinnernden Tanztheater inmitten handgemachter Kulissen und der malerischen Settings von Prag und der südfranzösischen Stadt Les Baux-de-Provence. Mehr: https://www.filmdienst.de/film/details/583325/anima#filmkritik

 

 

 

 

Helge Letonja

Mit Homescapes (2012) erkundet Helge Letonja den Körper als unser physisches Zuhause, als lebendige Heimat. Persönliche Gesten, Bewegungsvokabulare, Körpersprachen, Spuren von Lebensgeschichten aus unterschiedlichsten Kulturen begegnen sich im Tanz. Eigenes, Fremdes und Prozesse der Aneignung, Trennendes und Verbindendes werden sichtbar. So zeigt sich „zuhause“ als Ausgangspunkt und gleichzeitig Möglichkeit, als Insel und als Horizont.

Choreografie: Helge Letonja l Tanz: Kossi Sébastien Aholou-Wokawui, Blenard Azizaj, Robert Bell, Ibrahima Biaye, Ida Biemoubon Faho, Kokou Gbakenou (Patrick Al'nuzan), Virginia Gimeno Folgado, I-Fen Lin, Serge Nekpe l Komposition: Michaël Grebil l Dramaturgie: Anke Euler l Kostüm: Uta Heiseke l Licht: Laurent Schneegans, Frauke Richter I Bühne: Helge Letonja, Opiyo Okach, Christoph Härtel | Technische Leitung: Christoph Härtel l Produktionsassistenz: Augusto Jaramillo Pineda, Simone Weber

 

 

 

 

Germaine Acogny

 

 

Germaine Acogny, À un endroit du début, Théâtre de la ville - Paris  Premiere am 12.12.2020  Vollständige Aufführung von Ziana TV: https://www.youtube.com/watch?v=pObpkntN9S0&t=15s (ab 12'40, o.UT)

Germaine Acogny ist eine große Inspiration für die zeitgenössischen Entwicklungen des Tanzes in Afrika. Ihr Schicksal als Franco-Senegalesin ist das vieler Künstler*innen auf ihrem Kontinent mit ihren Schicksalen der Migration. Für sie sei die Zeit gekommen, sich "an einen Ort des Anfangs zurückversetzt zu fühlen, an den Ort, von dem ich komme, zu den Vorfahren, zu all denen, die mich begleiten". An erster Stelle stehe dabei ihre Großmutter, eine Priesterin aus Dahomey und eine wichtige Persönlichkeit.  

 

 

 

 

 

Richard Siegal

 

 

Kultur24 TV zu Oval von Richard Siegal, Auftragswerk für das Staatsballett Berlin 2019, "ist ein echter Aufbruch ins 21. Jahrhundert. Zwar gibt es immer noch Spitzenschuhe für die Damen, aber ansonsten sehr freie Körperbewegungen, die auch keine Geschichte mehr erzählen, aber doch einer übergeordneten Sache folgen. Denn über den Tänzer*innen schwebt ein riesiges Oval, welches Farbe und Aussehen ändert und sich in verschiedene Richtungen bewegt, bis es  am Schluss auf den Bühnenboden sinkt und dabei einen Tänzer miteinschließt.

Mir hat es gefallen, zumal die elektronische Musik vortrefflich zu dem Geschehen auf der Bühne passt und den Zuschauer mitzunehmen versteht.

Fazit: Ein spannendes Werk mit optischen und akustischen Überraschungenl“, so der Rezensent Holger Jakobs. 

 

Inspiriert von Oskar Schlemmers Bühnenexperimenten und Gropius‘ Idee vom Totaltheater am Bauhaus hat zu dessen 100. ein interdisziplinäres Team eine virtuelle Welt geschaffen, in der der Frage nach der Beziehung Mensch-Maschine im digitalen Zeitalter nachgegangen wird. 

Richard Siegal hat, basierend auf Idee und Dramaturgie der Interactive Media Foundation, eine Choreographie entwickelt, die über Body Scanning- und Motion- Capture-Verfahren digitalisiert und im dreidimensionalen Raum neu arrangiert wurde. Für die Gestaltung der Szenographie und Kostüme sowie die technische Umsetzung sorgten die Experten von Artificial Rome. Die Musik wurde von den Einstürzenden Neubauten eigens für dieses 360°- Video komponiert

 

 

Hofesh Shechter

 

Zehn Tänzerinnen und Tänzer aus acht verschiedenen Ländern setzen das makaber komödiantische Werk über Mord und Begierde beeindruckend um . Hofesh Shechter (Israel) mit seiner Londoner Kompanie hat diese Tanzperformance inszeniert, choreographiert und auch die Musik komponiert, deren Rhythmus das ganze Stück mit seinen darin agierenden Performer*innen umwebt. 

 

 

 

  

Lina Gómez

 

 

ist eine unabhängige kolumbianische Choreografin, Tänzerin und Lehrerin mit Sitz in Berlin. MA in Choreografie am Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz – HZT Berlin und  BA in Kommunikation der Künste des Körpers an der Kath. Universität Sao Paulo  (Brasilien). Es folgten das Dance Practice/Tanzpraxis Stipendium 2020-2021 der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Dis-tanz-solo-Förderung 2021 des Dachverbandes Tanz Deutschland. 

Ihre jüngste choreografische Arbeit Träumerei des Verschwindens (UA 2022, Radialsystem),mit Unterstützung v. Berliner Senat für Kultur und der Europa-Einzelprojektförderung 2021 wie auch 2018  A Passo di Mulo (Premiere beim von der Tanzfabrik Berlin koproduzierten Open Spaces Festivals)

 

Jonzi D & Jessica Care Moore

 

 

 

we want our freedom

we want our justice

we want our bodies back

 

Sadler's Wells' Digital Stage und Breakin' Convention präsentieren Our Bodies Back in Zusammenarbeit mit Jonzi D Projects und BCTV.

Our Bodies Back inszeniert die Arbeit der gefeierten amerikanischen Dichterin und Performance-Künstlerin Jessica Care Moore in einem neuen Tanzfilm von Jonzi D, Breakin' Convention Artistic Director und Sadler's Wells Associate Artist.

 

 

 

 

Maguy Marin

 

May B, Tanzstück, inspiriert von Samuel Beckett

und mit dem Autor persönlich abgesprochen; Choreographie Maguy Marin / Mit 10 Darstellern / Licht Alexandre Beneteaud / Kostüme Louise Marin / Originalmusik Franz Schubert, Gilles de Binche, Gavin Bryars.

Koproduktion Compagnie Maguy Marin, Maison des Arts et de la Culture de Créteil.

 

 

 

 

Oona Doherty

 

 

Oona Doherty drehte dieses Video in Belfast in der Nacht, bevor die Stadt im Mai 2020 abgeriegelt wurde.  Nachts allein auf regennasser Straße eine Eruption, der Schrei aus ihrem Körper, weil es in ihm brodelt und sich sehnt einfach nur nach einer Umarmung. So im Text:

I don’t know

Boiling up inside ya,

Like a kettle

Like a frying pan spitting hot oil out.

Roaming, soaking, empty streets

Blue tv light beaming out

A dirty beat

Our stamping feet

Don’t know whear to put it

Some times

Some times you just need a hug

 

 

 

 

Antoine Jully

 

Seit der Spielzeit 2014/15 ist Antoine Jully Chefchoreograf und seit 17/18 auch Ballettdirektor der BallettCompagnie Oldenburg. 

Das Jahrbuch der Zeitschrift tanz bezeichnete ihn schon vor zehn Jahren u.a.als "Hoffnungsträger" (2013), 2019 dann wurde die BallettCompagnie Oldenburg zur "Kompagnie des Jahres" nominiert. 

 

 

Eva Baumann

 

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht

des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht." 

(Kalil Gibran)

An den Schnittstellen von zeitgenössischem Tanz zu Figurenspiel möchte SCHATTENKIND eine Körper- und Bildersprache finden, die das ausdrückt, was zu sagen unaussprechlich ist.

 

 

 

 

Ashley Lobo

 

 

Der indische Choreograf Ashley Lobo setzt sich 2022 in Linz choreografisch mit Begriffen wie  Erkenntnis und Erleuchtung auseinander. Dafür stehe "Buddha". Aber was ist Wahrheit? Gibt es eine objektive Realität? 

„Für mich bedeutet der Begriff Buddha, im Gleichgewicht zu sein, Ruhe und Frieden zu atmen.  Der Weg zur inneren Befreiung ist ein radikaler Weg – hin zu einem Leben in tiefer Verbundenheit nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit seiner Umwelt, in einer Abkehr vom Materiellen, um Hingabe zu praktizieren", so Lobo für seine Choreographie.

 

 

 

 

Mónica Calle

 

 

 

 

 

 

 

 

"Dreizehn Frauen in Alltagskleidung und mit Streichinstrumenten..."

mehr im KUNO-Blog per Klick aufs Foto 

 

Felix Landerer

 

Tanzstück nach Max Frischs Homo Faber von Felix Landerer  mit der Tanzcompagnie Konzert Theater Bern, Premiere 17. Januar 2014

Der Techniker Faber, determiniert von Statistiken und physikalischen Gesetzen gerät eines Tages aus der Bahn: Er stürzt mit dem Flugzeug ab, verliert seinen besten Freund durch Selbstmord und beginnt eine Affäre mit Sabeth, seiner, wie sich später herausstellt,  eigenen Tochter. Sabeth stirbt durch Verschulden Fabers. Dieser Geschichte nähert sich die Choreografie von Felix Landerer mit einerassoziativen Tanzsprache.

 

 

 

Nico and the Navigators

 

 

Mit Niemand stirbt in der Mitte seines Lebens. Lebensrausch und Totentänze führen Nico and the Navigators ihr Format der inszenierten Konzerte fort: Wie leben wir mit dem Wissen, dass wir sterben müssen? Gibt es Übungen, mit denen wir uns auf diesen Abschied vorbereiten können? Sollen wir den Tod, wie Nietzsche es vorsah, zu einem Fest machen? Oder tanzen wir besser schon vorher auf dem Vulkan? Mit Musik von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, Leonard Cohen, Rufus Wainwright, Klaus Nomi und anderen wechseln sich stille und rauschhafte Momente in einer lebendigen musikalischen Debatte ab – und stellen dabei die Macht des Todes als Maßstab allen Lebens dar.

 

 

Eun-Me Ahn

 

Potsdamer Tanztage: Dragons / Eun-Me Ahn (Seoul) Deutschlandpremiere 2021

 

Warum haben wir Angst vor Drachen? Bestimmt, weil in Europa die Figur des Drachens für negative Naturphänomene und das Böse stand. In Asien ist es ganz anders. Der Drache symbolisiert Güte und Stärke. Er wird gefürchtet und gleichzeitig respektiert. Es ist diese Kraft, die die Tänzer*innen aus fünf verschiedenen asiatischen Ländern in der neuen Produktion von Eun-Me Ahn verkörpern. Alle sind im Jahr des Drachen geboren und stehen sowohl für die digitale Generation als auch für das regionale choreografische Erbe. 

 

 

 

 

Victor Quijada

 

 

Mal leicht, mal ernst, durchstreift Vic's Mix das weite kreative Territorium von Victor Quijada (*1946, Sohn mexikanischer Eltern), um mehrere Perlen aus dem Repertoire des Choreografen zu extrahieren. Indem er seine eigene Arbeit remixt und populäre urbane Musik mit klassischen Kompositionen kreuzt, experimentiert Quijada erneut, indem er die Begriffe Theatralität und Publikumsrezeption herausfordert und sicherstellt, dass jeder Körper, der in hoch athletischen Bildern auf der Bühne herumturnt, eine Antwort auf die RUBBERBAND-Methode ist.

 

 

 

 

Andrea Peña

 

Die Untitled-Performancen von Andrea Peña erforschen die menschliche Verletzlichkeit unter dem Gesichtspunkt der Resilienz. Energische und kontinuierliche Wiederholungen der choreografischen Gestik verführen Körper und Geist zu einer Haltung der Hingabe wie auch Widerstandsfähigkeit, die sich auf das Publikum übertragen kann. 

 

 

 

 

Núria Guiu Sagarra

 

In ihren Arbeiten beschäftigt sich die katalanische Choreografin Núria Guiu Sagarra wiederholt mit der Frage, wie das Internetzeitalter unseren Blick auf den Körper beeinflusst. Welche Bilder und Ideen von Körpern zeigen sich in den Bildschirmen der Geräte und was passiert, wenn man diese Bilder auf die Bühne zurück überträgt? 

 In Futuralgia nun mit dem  Ensemble von Unusual Symptoms, der Tanzkompanie des Theater Bremen. Nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 verlagerten sich die Proben selbst ins Internet und erweiterten die gemeinsame Auseinandersetzung mit den kulturellen Werkzeugen des Digital Age um eine Ebene der unmittelbaren eigenen Erfahrung. So entwickeln Núria Guiu Sagarra und Unusual Symptoms in Futuralgia eine Choreografie, deren hybride Tanzsprache die Körper im Spiegel ihrer virtuellen Abbilder zeigt.

 

 

 

 

Mauro Bigonzetti

 

Die Rossini Cards (2012) eine Choreographie von Mauro Bigonzetti mit dem Aterballetto aus Reggio Emilia in Norditalien inspiriert von der Musik Gioachino Rossinis zu freien, kreativen, abstrahierenden Bildern und Bewegungen sowohl der ganzen Kompagnie wie auch in den Solo-Partien, deren Körper sich allesamt auch durchaus den Melodien und Rhythmen hinzugeben vermögen.

 

 

 

 

Samir Akika

 

 

In (Little) Mr. Sunshine setzen sich Choreograf von Theater Bremen ­Samir Akika und sein ausnahmsweise ausschließlich männlicher Cast mit ihrer eigenen Biografie und ihrer Rolle als Performer auseinander. Was suchen die sechs Tänzer auf dieser Bühne und in den Gesichtern ihres Publikums? Und was genau hat sie eigentlich hierher geführt? 

Darauf reagieren Materialcollagen, künstlerische Findungsprozesse und performative Tricks sowie zwei Musiker mit Geige, Piano und multilingualem Theatervokabular.

 

 

 

 

Rami Be'er

 

 

 

In seinem Werk Asyl (2018) untersucht der künstlerische Leiter Rami Be'er der Compagnie Begriffe wie Identität, Fremdheit, Unterdrückung, Diskriminierung, Herrschaft, Freiheit, Zugehörigkeit, Immigration, Heimat, Sehnsucht und Zuhause.  Diese Begriffe sind aus existenzieller Sicht für jeden Menschen relevant, wo auch immer er sich in Ort und Zeit befinden mag.  Die Suche nach einem Ort, der als Heimat identifiziert wird, ist Teil der menschlichen Existenzerfahrung.

 

 

 

 

Felix Rothenhäusler

 

 

Vergessen, verdrängt, verloren – seit der Mensch auf der Erde wütet, hat sich einiges verändert. Ein großes und hochaktuelles Thema, dem sich Regie und Choreografie des Theater Bremen stellen. Als Annäherung an eine nicht-menschliche Welt, startet diese REVUE ihre Reise in die Vergangenheit. Exemplarisch wird aufgerufen, was längst verschwunden ist...

 

 

 

 

Eric Gauthier

 

 

Roadtrip ducrh die Welt des modernen Tanzes in Tel Aviv, St. Petersburg und den Niederlanden mit dem kanadischen Leiter von Gauthier Dance am Theaterhaus Stuttgart

 

 

 

 

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