1.Juni - 1. September 2017

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Neapolitaner, Mittvierziger, Beruf & Berufung: Fotograf. Mit Ausstellungen in verschiedenen Ländern Europas und in Marokko, Veröffentlichungen in den wichtigsten Tageszeitungen Italiens sowie im Ausland. KUNOweb präsentiert mit Massimo Pastore zum ersten Mal einen Fotografen im Rahmen einer Einzelausstellung.

 

IT

 Kultur im Norden - KUNO e.V. con la sua web è fiera di presentare per la prima volta la personale di un artista fotografo: Massimo Pastore, napole-tano, quarantenne, con mostre in vari paesi europei e in Marocco, con pubblicazioni sui maggiori giornali in Italia e all´estero.

 


 Ein radikaler Künstler, der mit seinem Kunstverständnis Hand an die Wurzeln des Verhältnisses von Künstler und Werk und Publikum legt. Und es umkrempelt.  Eine Umgestaltung, die aus den Besuchern und Künstlern der Galleria PrimoPiano in Neapel das eigentliche Sujet eines Foto-Projekts macht. Sie aber anders vor die Kamera holt, nicht mehr nur als bloß aufzunehmende Individuen, die den Anweisungen des Fotografen Folge leisten. Sondern die selber aufgefordert sind, das Setting zu bestimmen, die räumliche Anordnung, die Auswahl der Utensilien sowie nach eigenem Gusto auch Gestik und Mimik, Positionierung und Körperhaltung. Eine Performance der Vor- und Darstellung des eigenen Selbst.

 

„As You Like It“ war der Titel der Veranstaltung und verwies damit auf die schon bei Shakespeare angelegte Vielzahl der Möglichkeiten hinsichtlich Inhalt und Form. Doch im Unterschied zum Ur-Text war dieses „Wie es Euch gefällt“ von Massimo Pastore nicht vorab geschrieben, sondern wurde von den Darstellern auf dem Set selbst als eigene, vorher nicht abgesprochene Inszenierung hervorgebracht. Sie sind ihre eigenen Regisseure im Rahmen der Projekt-Idee des Kurators und Fotografen, der nun am Ende auch tatsächlich die Arbeit des geistesverwandten Kameramanns macht und sich auf jede einzelne Szene immer neu einstellen muss. Kreative Komplizenschaft pur. Und für den Künstler gleichfalls eine philosophische und ästhetische Grundfrage, nämlich in der Fotografie „den Subjekt-Objekt-Status aus den Angeln zu heben“.

 

 

Pastore è un artista radicale che affronta alla radice il rapporto tra l´artista, l´opera e il pubblico e lo capovolge. Una trasformazione che fece degli ospiti della Galleria Primopiano di Napoli il vero soggetto del suo progetto fotografico As You Like It. Chi era da fotografare non si piazzava semplicemente davanti alla fotocamera seguendo come un modello le istruzioni del fotografo. L´idea era che gestissero tutto loro: la scelta dello spazio, la disposizione scenografica, il portamento, la mimica e la gestualità –  tutto doveva diventare una perfetta performance dell‘io.

Fin dal titolo è evidente il riferimento alla pluralità delle scelte tematiche e formali shakespeariane. Questo Come vi piace di Massimo Pastore non si basava, però, su un testo già scritto, bensì veniva concepito sul set al momento, senza alcun accordo preventivo tra gli addetti ai lavori. Ogni soggetto era attore e regista di se stesso e seguiva soltanto l´idea del progetto del curatore-fotografo, che doveva limitarsi a svolgere il ruolo dell´operatore adattandosi di scena in scena. Un atto di mera complicità creativa, con l’obiettivo di toccare un principio filosofico ed estetico della fotografia che Pastore spiega così: «Con questo lavoro volevo scardinare i due concetti principali della fotografia: l'oggettività e la soggettività».


 

Inszenierung als künstlerisches Prinzip ist aus dem Schaffen von Massimo Pastore wie von vielen anderen seiner KollegInnen gar nicht wegzudenken und nimmt bei ihm einen zentralen Platz unter den fotografischen Praktiken ein. Wie bei der US-Amerikanerin Cindy Sherman Selbstinszenierung und historisches Rollenspiel das Markenzeichen schlechthin sind. Aber jeder gute Fotograf kann auch anders und findet, was er sucht, auf den Straßen Neapels ebenso wie im pakistanischen Flüchtlingslager: Die Eindringlichkeit des Blicks seines „Afghan Girl“ (1985) von Steve McCurry ist weltberühmt geworden. Gerade dieses Bild ist ein guter Beweis auch dafür, dass Farbfotos nicht nur immer Oberflächen-Ästhetik – „alles so schön bunt hier“ (Nina Hagen, 1978) – liefern und allein Schwarzweiß auf Tiefe und Bedeutung abheben kann.

Obgleich nicht zu leugnen ist, dass das Abstrahieren von der realen farbigen Außenwelt durch die Reduktion auf die Extremwerte der Farbskala einer solchen Schwarzweiß-Aufnahme geradezu spontan eine besondere Bedeutung und eine gewisse Aura verleihen. Zumal wenn sie noch in einem musealen Kontext gezeigt wird.

 

La messinscena è un principio artistico fondamentale sia per Massimo Pastore sia per tanti suoi colleghi fotografi. Lo è pure per Cindy Sherman, famosa per l´autorappresentazione e la recita in svariati ruoli storici e sociali. Ma un bravo fotografo non si fissa su una tecnica sola e può trovare quello che cerca sia nelle strade di Napoli sia nei campi profughi del Pakistan: l´intensità dello sguardo dell´Afghan Girl (1985) di Steve McCurry è famosa in tutto il mondo. Un‘immagine che dimostra anche come la fotografia a colori non fornisca soltanto risultati estetici superficiali ed effimeri, delegando gli esiti significativi e sublimi a  quella in bianco e nero. Anche se non si può certo dimenticare che il bianco e nero manifesta una straordinaria capacità di astrarsi dalla realtà variopinta attraverso la riduzione cromatica sui valori estremi, acquistando quasi spontaneamente un´aura particolare. Oltretutto in un contesto espositivo.


 

 Das „Triptychon in Weiß“ aus dem Zyklus „Landschaften der Kälte“ (hier unten) spielt  mit dem dialektischen Dreischritt von Inhalt und Form. Deutliche sakrale Anklänge:  an Bilder der Erscheinung der Jungfrau Maria, die links wundersam über eine Winterlandschaft dahinschwebt. Ein präziserer Blick aber entdeckt: Wenn überhaupt, dann ist es eine sehr säkulare, moderne Madonna, mit wehendem Haar, einem neckischen Lächeln ins Publikum, nicht mit der Ernsthaftigkeit der Sixtinischen Madonna und nur leicht verhüllt, zu leicht für die Jahreszeit. Von ihrem weißen Gewand

verschluckt, tritt die Frauenfigur im Mittelteil nicht mehr auf. Von ihr bleibt nur noch eine Stoffwolke. Um schließlich links wieder in Erscheinung zu treten, nach der Landung barfuß im Schnee. Unter dem transparenten Gewebe zeichnet sich ihr nackter Körper deutlich ab.

Eine wunderliche Erzählung, die aber bestens zu dem Madonnen-Kult Neapels und der ausgeprägten Wundergläubigkeit des Südens passt und sich doch zugleich wieder davon absetzt. Denn hier wird nichts mystifiziert, sondern ganz offen ein Märchen – vom Mädchen im Winterland – erzählt, eine Utopie skizziert vor dem Hintergrund eines kreatürlichen Unbehaustseins des Menschen in unwirtlicher Landschaft, worauf in diesem Zyklus von Arbeiten immer wieder zurückgegriffen wird.

 

 

Il Tritticobianco dal ciclo Bianco_Cold Landscapes quaggiù interpreta, come l’altro trittico, il salto triplo dialettico formale e tematico. Pure qui ritroviamo richiami sacrali e reminiscenze all´apparizione mariana, che a sinistra aleggia sopra un paesaggio invernale. Poi lo sguardo si precisa e in questo personaggio scopre una giovane donna secolare, moderna, dai capelli fluenti, che ti guarda dritto negli occhi. Non pensierosa come la Madonna Sistina di Raffaello, se mai birichina.  Magari con un non so che di lascivo. E come è vestita? Difficile da capire. Certo in modo troppo leggero per la stagione. Nella parte centrale del trittico la giovane scompare dietro una nuvola di tessuto. Infine ritorna a destra a piedi nudi nella neve. Sotto i veli traspare con prudenza la sua nudità.

 

La narrazione di Pastore sfiora qua la parodia dell´Assunta, per nulla assurda di fronte al culto della Madonna nel Napoletano e alla fede nei miracoli del Sud. Demistificazione pura sotto forma di favola – della fanciulla nel Paese dell´inverno e della neve –, un´utopia sullo sfondo della solitudine di tutto il creato in un paesaggio profondamente inospitale, una costante in tutto questo ciclo di lavori. 


 

Ganz offenkundig ist im Mittelteil des „Triptychons der Auferstehung“ (hier oben) der Verweis auf die Sakralmalerei der Renaissance. Einmal auf „Die Beweinung Christi“  von Andrea Mantegna (um 1480) mit klar vergleichbarer Perspektivansicht. Aber Pastore präsentiert hier nicht den toten Gottessohn, sondern portraitiert seinen eigenen entblößten Körper und spielt damit zugleich an auf die „Auferstehung des Fleisches“ von Luca Signorelli (1499/1502) mit ihren zahlreichen nackten Figuren. Der neapolitanische Künstler löst in seinem Triptychon Begriff und Bildlichkeit von der Auferstehung und ihrer Vergeistlichung aus dem christlich-religiösen Zusammenhang und setzt ein Zeichen für die Auferstehung des Menschen in seiner ganzen Körperlichkeit und Fleischlichkeit. So sehr die krude Nacktheit auch ins Zentrum des dreiteiligen Bildes gerückt ist, als Antithese zur Totalverhüllung und damit Unkenntlichmachung jeglicher Identität auf der linken Seite ist sie doch zugleich auch ein Übergang hin auf etwas Neues, das sich rechterhand als eine Art der Synthese anbietet und in aller Unschärfe eine Bewegung, einen Aufbruch andeutet, dessen Wohin noch im Unklaren bleibt. Für den Künstler, der sich zum Buddhismus bekennt, komme darin eine Weltsicht zum Ausdruck, "der zufolge Tod und Leben unzertrennlich Teil ein- und desselben Szenarios sind."

 

Al centro del Trittico della Resurrezione (Impermanenza) quassù si manifesta in modo evidente un riferimento alla pittura sacrale del Rinascimento: da un lato al Cristo morto del Mantegna (1480 circa) di poco diverso nella sua prospettiva peculiare, e dall´altro alla Resurrezione della carne di Luca Signorelli (1499/1502), che con i suoi tanti personaggi ignudi fa da modello all´artista napoletano. Il suo trittico, però, offre un concetto e una realizzazione della resurrezione molto diversi da quello spirituale e cristiano, dando un segnale forte verso la rinascita umana in tutta la sua fisicità, in carne e ossa.

Inoltre la cruda nudità al centro della composizione di Massimo Pastore non è altro che l´antitesi al corpo velato sulla sinistra, rendendolo irriconoscibile come tale e facendogli perdere ogni identità umana.

Allo stesso tempo la parte centrale funge anche come transizione verso la sintesi sulla destra, un movimento tutto sfocato, una partenza nel suo divenire. Senza sapere per dove.

Per l´artista di cultura buddhista si manifesta qui in modo estetico "una visione in cui la morte e la vita sono parte dello stesso scenario, non vi è quindi separazione."

 


 

Wenn Massimo Pastore natürlich auch sehr gut farbig kann, Kultur im Norden – KUNO e.V. zeigt ihn in dieser Online-Ausstellung ausschließlich mit schwarzweißen Arbeiten. Und als fotobildnerischen Erzähler, der er nun mal ist. Ob er dabei einem vorgefassten Plan folgt (wie bei  "As You Like It" u.a.) oder sich der Spontaneität anheimgibt („T(H)RU(E) NAPLES“) und zufällig findet, was er sucht – dank, wie er berichtet, der digitalen Revolution und seines Handys, das ihm statt der professionellen Kamera wie Milliarden anderen als Ad-hoc-Fotoapparat dient und gestattet, sich dem Fluss der Bilder ungezwungen hinzugeben und locker mal hier, mal dort etwas einzufangen.

  

Wovon aber erzählt dieser Fotograf? Vom „Sicht- wie Unsichtbaren“, antwortet er. Wir haben aus seinen acht großen Bilderzyklen rund zwei Dutzend Fotografien für unsere Ausstellung ausgesucht und davon dann die zwei Triptychen, anhand derer wir die angegebene Spur verfolgt haben.

 

IIn questa mostra online Kultur im Norden – KUNO e.V. presenta Massimo Pastore solo con immagini in bianco e nero. Di gran talento narrativo l’artista dà prova sia quando si mette a progettare una certa idea, come fa con As You Like It, sia quando tutto nasce in modo naturale (T(H)RU(E) NAPLES), quando cioè trova per caso quel che cerca grazie «all’avvento dell’era virtuale» e al fatto che «nella mia tasca c´è sempre a portata di mano un telefono che è anche macchina fotografica, una Polaroid contemporanea, che mi lascia la libertà di muovermi con disinvoltura senza dover cercare la scena...».

 

Che cosa racconta questo fotografo? «Della relazione tra visibile e invisibile, tra uomo e ambiente» risponde lui. Dagli otto grandi cicli di lavori dell’artista napoletano abbiamo scelto una ventina di fotografie, e tra queste i due trittici, esemplari - come abbiamo visto - per seguire e commentare la traccia fornita da lui stesso.


 

 Es verwundert nicht, wenn Massimo Pastore, befragt nach ihm nahestehenden Kolleginnen und Kollegen, auf Nan Goldin hinweist und auf ihre schonungslose Unmittelbarkeit sich selbst und der Welt von Sex, Drogen und Gewalt gegenüber. Dann auch auf Antoine d´Agata und seine Bilder chaotischer Wirklichkeiten und zersplitterter Visionen, dargeboten mittels das Medium der Fotografie entgrenzender Techniken. Gerade hierin hat sich als bahnbrechender Meister erwiesen der, dem sich der neapolitanische Fotograf am meisten verpflichtet fühlt – dem 83jährigen US-Amerikaner Duane Michals, Senior der experimentellen Fotografie.

Sich in diese Traditionslinien einordnend, bezeugt unser Fotograf aber auch, was einen guten Kunstschaffenden auszeichnet, wenn sich nämlich zu seiner Könnerschaft auch eine profunde Kennerschaft gesellt.

  

 

Sulla base della consapevolezza che «fotografando qualcosa in movimento (sia in senso metaforico che tecnico) il rischio di ottenere immagini mosse o fuori fuoco è molto alto» –, non meraviglia affatto che Massimo Pastore, alla domanda quali siano altri fotografi a lui affini, citi Nan Goldin e Antoine d´Agata. La prima, americana, è citata per la sua spietata immediatezza verso se stessa e il mondo di sesso, droghe e violenza. Il secondo, francese, lo è invece per le sue immagini di una realtà caotica e di visioni frantumate tramite tecniche che spesso sconfinano oltre il medium della fotografia. Per finire l‘elenco con l´affermazione: «Ma tra i fotografi che amo di più posso citare sicuramente Duane Michals, maestro insuperato della narrazione con la fotografia», il grande vecchio della sperimentazione fotografica.

Inserendosi in questa tradizione di ricerca sperimentale, il nostro fotografo si presta bene a rappresentare il tipo di artista d´eccellenza che alle competenze artistiche abbina quelle da buon conoscitore dell’estetica e della storia.


a cura di/ kuratiert von Paul Kroker

Kommentare: 3
  • #3

    Franca (Dienstag, 16 Februar 2016 07:01)

    Di rado mi è successo di vedere in fotografia - ma potrei dire nell'arte in genere - un equivalente più adeguato del non detto.
    Nelle fotografie di Massimo Pastore ciò che non si vede non solo è parte integrante della narrazione, è espressivamente, evocativamente e tematicamente forse più importante e punta fermo il dito verso l'essenza - das Unheimliche.
    Franca

  • #2

    Paul Kroker (Mittwoch, 10 Februar 2016 00:19)

    Ach so, wir sind ja diesmal zweisprachig:
    Ich habe unserem Künstler-Fotografen geschrieben, dass ich sehr glücklich bin, ihn hier ausstellen zu können als einen, der es glänzend versteht, Konzeptkunst zu verbinden mit der Realisierung seiner Ideen.
    Paul Kroker

  • #1

    Paul Kroker (Mittwoch, 10 Februar 2016 00:13)

    Sono felice di avere un artista-fotografo come Massimo tra di noi che è sia un artista di concetto sia uno di quelli che sanno come realizzare le proprie idee.
    Grazie, Massimo
    Paul

 

Medien/Presse

 

Galleria Primo Piano, Neapel, zu Massimo Pastore bei KUNOweb

20.20.2016

 

 

 

 


  • Massimo Pastore: Fotografie

    Neapolitaner, Mittvierziger, von Beruf & Berufung Fotograf: Massimo Pastore – mit zwei Dutzend Schwarzweiß-Fotografien auf www.kunoweb.de. Ab dem 10. Februar null Uhr.

    Mi, 10.02.2016 - Mo, 11.04.2016


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