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Grenzenlos: BORDER

 

Grenzenlos: BORDER

 

Gewann vergangenes Jahr in der Sektion "Un certain regard" in Cannes:  Border von Ali Abbasi, dänisch-schwedische Koproduktion. Erzählt die Geschichte einer "monströsen" Frau mit großer Nase, die es ihr erlaubt, alle möglichen Gerüche zu riechen, einschließlich des Geruchs von Emotionen - Angst, Scham, Schuld. Sie arbeitet beim Zoll und ist daher für die Grenzpolizei sehr nützlich, erkennt sie doch Übeltäter auf den ersten Riecher. So gelingt es ihr beispielsweise einen Pädophilenring aufdecken. Eines Tages trifft sie einen  Mann, ebenso "monströs" wie sie als Frau und so entdecken wir, dass der zwar eigentlich eine die ist, sie wiederum aber ein er. Es beginnt eine verrückte, animalische Amour fou. Grenzen verschwimmen, die zwischen Menschlichkeit und Animalität, Geschlechtern und Gattungen, zwischen Schein und Sein.

Die besondere Schönheit des Films liegt in dem verstörenden Mix aus Phantasie und Poesie. Auf dem Boden eines Wiederauflebens alter skandinavischer Legenden erleben wir in einem Film zwei Protagonisten die zugleich Trolle sind, zweigeschlechtliche Fabelwesen, von denen noch - so die Mär - eine kleine Kolonie irgendwo in Finnland lebt.

Mit dieser Legende sind verwoben fundamentale Fragen nach Identität, sexueller Vielfalt und Diversität und noch andere von schmerzbesetzter Aktualität wie die der Pädophilie. Am Ende sieht sich die Protagonistin vor der Entscheidung, in welcher Welt leben und als was - ob als Tier oder Mensch, ob den Impulsen des Es frönen oder das eigene menschliche Ich ausleben. In einem sehr bewegenden Finale. Selten nur können wir im Kino eine so "monströse" und zugleich anmutige Arbeit sehen, die uns so tief in unserem Innersten anrührt..

 

Fulvia Milton, April 2019

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